Heimat ist eine Sache für den Innenminister. Findet jedenfalls Horst Seehofer. Wir müssen uns auch darum kümmern, finden wir.

Städte, Dörfer, das Gras auf der Wiese: Heimat kann eigentlich fast alles sein. Damit wird der Begriff ziemlich ungenau. Dennoch war die Aufregung groß, als bekannt wurde, dass sich das Bundesinnenministerium unter Horst Seehofer in Zukunft auch mit Heimatpflege beschäftigen soll.

Stephan Beuting hat sich umgehört, was es eigentlich bedeutet. Klar ist: Früher waren die Vorstellungen von Heimat eindeutiger als heute. Eigentlich war damit der Ort der Herkunft gemeint. In einer Umfrage sagen 92 Prozent der Befragten, dass Heimat mit den Menschen verbunden sei, die sie lieben. 

Heimatvorstellungen ändern sich laufend

Wenn ich jobmäßig viel reisen muss, dann muss der Auto-, Zug-, oder Flugzeugsitz halt mal Heimat sein. Wenn ich mich pro Tag drei Stunden im Netz aufhalte, wo ist dann in dem Moment meine Heimat, fragt sich Stephan. Und wenn sich alles Mögliche in großer Eile globalisiert und verändert: mein Arbeitsplatz, meine Umgebung?  Dann kann das Konzept von Heimat nicht das Gleiche bleiben, findet Stephan.

Heimat: politisch benutzt

An den Rändern des politischen Spektrums funktioniert Heimat seit Jahren. Was bei den Linken die Ostalgie, das ist bei den Rechten ihre fremdenfeindliche Abschottungsrhetorik.

Heimat als Selbstbedienungsbegriff. Das #Heimat-Gedöns im künftigen Innenressort sei politisch sinnfrei, twittert @robert Fietzke und sei wohl eher ein symbolisches Geschenk an die extreme Rechte, das sagen will: Hier, wir nehmen eure Ängste vor Überfremdung ernst. Ein weiterer Erfolg für die völkisch-nationalistische APO. Dennoch lohnt es sich, über Heimat nachzudenken, meint Stephan.

"Der Heimatbegriff galt ja in den letzten 30 bis 40 Jahren als Verschwunden. Er ist in den soziologischen Debatten gar nicht mehr aufgetaucht."
Helmut Brall-Tuchel, Germanist

Bis sich das irgendwann rund ums Sommermärchen etwas entkrampfte. Dann druckten vor einiger Zeit die Republikaner und später die AfD den Begriff Heimat wieder auf ihre Plakate. Die Folge: Für Menschen, die sich diesen Parteien nicht zugehörig fühlen, wird der Umgang mit dem Begriff wieder schwierig. Unser Autor findet, dass Heimat dann nämlich nur als Kontrastmittel dient, um das Fremde besser kenntlich zu machen.

Auch bei der CSU wird Heimat schon länger eine wichtige Bedeutung zugeschrieben. In Bayern gibt es seit 2014 ein Heimatministerium. Das kümmert sich um Brauchtumspflege und sponsert zum Beispiel die 100 besten Heimatwirtschaften mit jeweils 1000 Euro. Selbst NRW hat seit letztem Jahr ein Ministerium für Heimat, inklusive Heino als Heimatbotschafter.

"Der Kurswert von Heimat schwankt immer. Ich stelle mir Heimat vor, wie einen Börsenwert. Mal ist er unbeachtet. Im Moment steigt der Kurs von Heimat stark an."
Helmut Brall-Tuchel, Germanist

Stephan meint, dass es umso wichtiger ist, dass jeder von uns ruhig bleibt, drüber nachdenkt, was für ihn Heimat ist und dann eventuell mit anderen drüber redet. Und ganz wichtig: Wir sollten akzeptieren, dass der Begriff Heimat, so schnell nicht wieder verschwinden wird.

"Wenn man drüber nachdenkt, worüber sich andere acht Jahrhunderte Gedanken gemacht haben. Wer bin ich denn, dass ich sage, das kann auf den Müllhaufen."
Helmut Brall-Tuchel, Germanist

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