75 Prozent der Suizide werden von Männern begangen. Der psychologische Berater Matthias Stiehler sagt, dass das mit den gesellschaftlichen Rollenbildern von Männern zusammenhänge, die es scheinbar erschweren, dass Depressionen bei Männern überhaupt festgestellt werden.

Depressionen und psychische Erkrankungen können schlimmstenfalls auch tödlich enden, insbesondere, wenn sie nicht erkannt und behandelt werden.

Matthias Stiehler ist psychologischer Berater und hat als Mitautor den ersten Männergesundheitsbericht herausgegeben. Außerdem engagiert er sich in der "Stiftung Männergesundheit" dafür, dass spezielle Informations- und Hilfsangebote für Männer entwickelt werden.

Ursache: Gesellschaftliche Rollenbilder

"Reiß' dich zusammen", sei einer der typischen Aussprüche, mit denen Männer konfrontiert werden, wenn sie psychische Schwierigkeiten haben, sagt der psychologische Berater.

Damit werde die Verantwortung für eine psychische Störung bei den Männern selbst verortet. Dabei würden gesellschaftliche Rollenbilder von Männern nicht genügend berücksichtigt. Denn diese haben auch einen Einfluss darauf, ob Männer Hilfsangebote überhaupt annehmen könnten. Depressionen würden bei Männern daher oft gar nicht erst diagnostiziert, sagt Matthias Stiehler.

Männer bitten nicht um Hilfe

Es gebe einen Unterschied zwischen vollendeten Suiziden und Suizidversuchen, die man als eine Art Hilferuf werten könne. Der Frauenanteil bei Suizidversuchen sei zehn Prozent höher als bei Männern. 75 Prozent der vollendenten Suizide falle hingegen auf die Gruppe der Männer.

"Suizidversuche sind ja häufig ein Hilfeschrei und Frauen sind eher in der Lage, um Hilfe zu schreien und zu sagen: 'Ich bin in Not'."
Matthias Stiehler, psychologischer Berater

Das Problem bestehe auf zwei Ebenen, sagt der psychologische Berater. Auf der individuellen Ebene hänge es davon ab, ob Männer um Hilfe bitten können. Auf gesellschaftlicher Ebene fehle aber oft die Bereitschaft, Männer als hilfsbedürftig wahrzunehmen.

Öffentlich anerkennen: Suizide sind Männerproblem

Der erste Schritt sei, überhaupt wahrzunehmen, dass Suizide ein massives Männerproblem sind, sagt Matthias Stiehler. Allgemeine Ansätze reichten nicht, das Thema müsse auch geschlechtsspezifisch betrachtet werden.

Die "Stiftung Männergesundheit" arbeitet zurzeit mit einem kanadischen Partner an einer deutschen Version einer Website, auf der Männer sich zu diesem Thema informieren können.

Außerdem hat die "Stiftung Männergesundheit" den Tag der ungleichen Lebenserwartung (10. Dezember) ausgerufen, um die Öffentlichkeit im Hinblick auf Männer stärker für Themen wie Depression zu sensibilisieren.

    Wer unter depressiven Verstimmungen leidet und Hilfe braucht, kann sich telefonisch oder online bei der Telefonseelsorge melden. Unter den kostenlosen Hotlines 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 könnt ihr euch anonym und vertraulich beraten lassen. Weitere Hilfsangebote haben wir hier für euch aufgelistet.