Einen nationalen Hitzeplan wird es in Deutschland nicht geben, weil unser Land föderal organisiert ist. Das bedeutet, dass die Bundesländer vieles mit Landesgesetzen selbst regeln. Aber es gibt auch einiges, was Kommunen tun können, wenn es zu einer andauernden Hitzewelle kommt. Wie man Menschen mit einfachen Mitteln vor dem Hitzetod schützen kann, zeigen Beispiele aus anderen Ländern.

In den Jahren 2018 bis 2020 sind in Deutschland fast 20.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben, sagt Werner Eckert aus der SWR-Umweltredaktion. Viele von ihnen sind geradezu verdurstet.

Länder wie Frankreich, die zentral organisiert sind, haben einen nationalen Hitzeplan, der vor allem dabei hilft, früh genug zu reagieren und vor allem den älteren und verletzlichen Teil der Bevölkerung ausreichend zu schützen, sagt der Klima-Experte Werner Eckert.

Frankreich: Kommunales Register zum Schutz von älteren Menschen

Dazu gehört beispielsweise ein kommunales Register, in dem stärker gefährdete Menschen (zum Beispiel Menschen über 75 Jahren) aufgeführt werden. Sie können dann von der Kommune angerufen werden, um zu prüfen, ob sie ausreichend geschützt und versorgt sind.

"Gerade wir Deutschen gelten als katastrophendement. Wir vergessen furchtbar schnell, wenn eine Katastrophe vorbei ist."
Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Die Bundesregierung hat bereits 2017 eine Richtlinie festgelegt, die den Städten und Kommunen helfen soll, eigene Aktionspläne zu entwerfen.

Darin steht dann beispielsweise, wie sich die Kommune auf eine Hitzewelle vorbereiten kann und was in einem akuten Fall getan werden muss. Etwa wer alarmiert wird, welcher Rettungsdienst zuständig ist und wie Altenheime vorbereitet und geschützt werden können.

Zurzeit gebe es aber nur einige Dutzend Kommunen, die solch einen Maßnahmenkatalog festgeschrieben hätten, sagt Werner Eckert. Das liege daran, dass es nicht verpflichtend sei und viel Arbeit für die Kommunen bedeute, sagt der Klimaexperte. Denn es gebe keinen klaren Rahmen vom Bund, den die Städte und Kommunen mit geringem Aufwand füllen könnten.

"Das ist für die Städte schon ein irrsinniger Aufwand, das jeweils für sich 'neu zu erfinden'."
Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Wie Kommunen helfen können, Bürger vor der Hitze zu schützen

Gerade weil es in Deutschland keinen nationalen Hitze-Aktionsplan gibt, ist es wichtig, dass die Kommunen Maßnahmen ergreifen. Werner Eckert zählt einige Punkte auf, die er für wichtig erachtet.

  • Die Bevölkerung warnen
  • Cool Shelters anbieten – gekühlte Rückzugsräume, das können auch Verwaltungsgebäude sein, die den Menschen geöffnet werden
  • Kostenlose Wasserversorgung für alle gewährleisten (In manchen Ländern gibt es kontaktlose öffentliche Trinkwasserbrunnen. Hierzulande könnten Cafés aushelfen, die kostenloses Leitungswasser ausgeben, diese sind in der Regel mit einem Tropfen-Aufkleber markiert – ursprünglich eine Initiative, um Abfall zu vermeiden.)

Warnungen erreichen die besonders Gefährdeten oft nicht

Allerdings hat eine britische Studie festgestellt, dass Hitzewarnungen stärker gefährdete Menschen oft nicht erreichen, weil diese sich beispielsweise selbst nicht als Teil der Risikogruppe wahrnehmen.

Zudem glauben viele der älteren Menschen, dass sie mit ihrem gesunden Menschenverstand in der Lage sind, die Situtation richtig einzuschätzen.

Es kommt zudem auch häufig vor, dass wichtige Maßnahmen aus bestimmten Gründen nicht ergriffen werden. Beispielsweise lüften manche Menschen nachts nicht, weil sie einen Einbruch durchs Fenster befürchten, sie trinken nicht ausreichend, weil sie nicht das Gefühl haben, durstig zu sein oder weil sie es generell nicht mögen, zu viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Manche schützen sich eher vor einem Sonnenbrand, weil sie Angst vor einer Hautkrebserkrankung haben, statt darauf zu achten, genug Wasser zu trinken.

Die unterschiedlichen Risikogruppen

Zu den am stärksten gefährdeten Gruppen zählen Menschen über 75 Jahren, die zudem sozial isoliert sind und alleine leben. Bei den Jüngeren sind es Menschen, die an einer chronischen Herzerkrankung leiden oder Diabetes haben. Auch Drogen- oder Alkoholabhängige können bei Hitze stärker gefährdet sein.

"Die Ampelparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag stehen, dass sie eine nationale Klimaanpassungsstrategie entwickeln wollen."
Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Tipps für Abkühlung bei Hitze

Der englische Heatwave Plan enthält neun Empfehlungen. Das sind Tipps, die wir selbst zu Hause anwenden können, wenn eine Hitzewelle andauert.

  • Kalte Getränke trinken - wir haben darüber berichtet
  • Nachts Fenster öffnen
  • Physische Aktivität einschränken
  • Haut bedecken
  • Alkoholgenuss vermeiden
  • Die Sonne zwischen 11 Uhr vormittags und 15 Uhr nachmittags meiden
  • Vorhänge von Fenstern schließen, die unter direkter Sonneneinstrahlung stehen
  • Fenster während des Tages schließen
  • Einen elektrischen Ventilator verwenden