Im Rap sieht es ähnlich aus, wie in der Fußball-Bundesliga bei den Männern: Homosexualität gibt es nicht - heißt es. Die Rapper Jaden Smith und Tyler the Creator heizen jetzt die Debatte an. Wann kommt endlich ein Coming-out im Rap, fragt sich Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin.

Die Geschichte rankt sich um Jaden Smith und Tyler the Creator. Letzterer ist Rapper und vor allem in den USA recht bekannt. Jaden Smith ist Schauspieler, Model, Rapper - und er ist der Sohn von Will Smith.

Homosexualität im Rap

Jaden Smith verkündete auf einem Konzert vergangene Woche, dass er mit Tyler the Creator zusammen sei. Es gibt ein Video davon, das zeigt, wie Jaden Smith während seines Statements ("Tylor the Creator is my fucking boyfriend") ein bisschen lachen muss. In dem Video ist auch Tyler the Creator zu sehen, wie er am Bühnenrand steht und eine abwinkende Geste macht.

Das Ganze wirkte nicht besonders romantisch. Aber die Diskussion über die beiden war da - auch wenn niemand so richtig weiß, was jetzt los ist.

Wann kommt endlich ein Coming-out?

Das passt zu Tyler the Creator und seinem Umgang mit dem Thema Homosexualität, sagt Anke van de Weyer. Vor allem am Anfang seiner Karriere wurde dem Rapper immer wieder Homophobie vorgeworfen. Auf seinem Album Gobblin benutzte er das Wort "faggott" - eine abwertende Bezeichnung für Schwule - so oft, dass die Regierung Großbritanniens ein Einreiseverbot gegen ihn verhängte. Die Texte seien gewaltverherrlichend und schwulenfeindlich. Zwei Jahre später deutete Tyler the Creator auf seinem Album Flower Boy an, dass er vielleicht selbst homosexuell sei.

Aber ganz unabhängig von diesen beiden Musikern, wäre es endlich an der Zeit für ein Coming-out in der Rapper-Szene, sagt Anke van de Weyer.

"Langsam wünscht man sich wirklich mal, das Coming-out eines richtig großen Rappers oder einer Rapperin."​
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Immerhin habe sich zumindest ein bisschen was getan, so Anke van de Weyer, was den Umgang mit LGBT im Rap angeht. Bekannte Musiker wie JAY-Z benutzen immerhin keine Wörter mehr wie "faggot" als Beleidigung und setzen sich für Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender ein. Aber, dass große Nummern aus der Rap-Branche in den USA oder auch in Deutschland sagen würden, dass sie nicht heterosexuell sind - das gibt es bislang nicht. Damit sieht es im Rap ähnlich aus, wie in der Fußball-Bundesliga bei den Männern.

Die großen im Rap schweigen

Nur wenn man sich von den ganz großen Namen unter den Rappern wegbewegt, finden sich auch nicht-heterosexuelle Menschen. Wie zum Beispiel die New Yorker Rapperin Princess Nokia. Sie sagt von sich, sie sei "sexually fluid", also nicht festgelegt in ihrer sexuellen Orientierung. Ein anderes Beispiel ist Frank Ocean, der schon 2012 in einem Brief öffentlich machte, dass seine erste große Liebe ein Mann war.

Und gerade solche Musiker könnten große Vorbilder sein - vor allem für junge Leute. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums von 2015 zeigte, dass junge Menschen ihr Coming-out als sehr kompliziert erleben. Bekannte Rapper und Rapperinnen könnten helfen, wenn sie von ihren Erlebnissen sprechen würden.

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