Als Bastian feststellt, dass er schwul ist, sucht er nach Hilfe. Irgendwann landet er bei einem Arzt, der ihm den Dämon der Homosexualität austreiben will. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen ein Verbot sogenannter Konversionstherapien und sogenannten Homo-Heilungen in ganz Deutschland erreichen.

Irgendwann merkt Bastian, dass er nicht auf Frauen steht, sondern auf Männer. Aber das passt nicht so recht in das Weltbild hinein, das ihm seine Familie und die Gemeinde vermittelt haben. Bastian kommt aus einer sehr religiösen Familie. Er wächst in einer freikirchlichen Gemeinde auf. Fast alle seine Freunde sind Teil dieser Gemeinschaft. 

Für Bastian ist klar: Es gibt Mann und Frau, und Gottes Plan ist es, dass die zusammenkommen, heiraten und Kinder bekommen. Aber für ihn funktionierte dieser Lebensentwurf einfach nicht, weil er sich einen Mann als Partner wünscht. 

"Mann und Frau heiraten und kriegen dann später Kinder. Das war ziemlich wichtig für mich und da hab' ich gemerkt, irgendwie klappt das bei mir für mich nicht.“
Bastian hat versucht durch eine Konversionstherapie seine sexuelle Orientierung zu ändern

Die Odyssee beginnt

Erst sucht Bastian den Pastor seiner Gemeinde auf. Der weiß keinen Rat. Dann landet er in einer Selbsthilfegruppe: Hier wird gesungen, gesprochen und gebetet. Das ändert aber nichts an Bastians sexueller Orientierung. Nach einem halben Jahr in diesem Seminar geht er zwei Jahre lang zu einem Psychotherapeuten - wieder Fehlanzeige. 

"Sie haben mir gesagt, dass sie gesehen haben, wie ein schwarzer Stachel aus meinem Rücken kam, der dann zu Boden gefallen ist. Zu dem Zeitpunkt habe ich an so was geglaubt."
Bastian hat versucht durch eine Konversionstherapie seine sexuelle Orientierung zu ändern

Er ist hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung, sich ändern zu können und dem Gefühl, permanent zu sündigen. Dieser Druck, unter dem er steht, verursacht Suizidgedanken. Er sucht weiter nach Hilfe, bis er schließlich nach insgesamt acht Jahren bei einem Arzt landet, der ihm, so erzählt er, den Dämon der Homosexualität austreiben will. 

"Das Problem an Konversionstherapien ist, Therapien brauche ich dann, wenn jemand krank ist, Homosexualität ist keine Krankheit."
Björn Tschöpe, SPD-Fraktionsvorsitzender

Solche Behandlungen wollen die SPD- und Grünen-Fraktion aus Bremen bundesweit verbieten lassen. Dafür haben sie einen Antrag im Bundesrat eingereicht.

Die Therapien seien gefährlich, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Björn Tschöpe. Viele berichteten von Suizidversuchen nach gescheiterten Konversionsversuchen. 

Britische Regierung kündigt Verbot an

Der Weltärzteverband hat sie 2013 eine "Verletzung der Menschenrechte" genannt. Die Weltgesundheitsorganisation hat Homosexualität 1990 von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen. Ein wichtiger Meilenstein für die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität. 

In einigen US-Staaten sind die sogenannten Konversionstherapien verboten, in Europa hat zuletzt die britische Regierung angekündigt, sie verbieten zu wollen. 

Ob die Initiative der Bremer SPD- und Grünen-Fraktion erfolgreich sein wird, ist noch nicht abzusehen. Björn Tschöpe hält es aber für sehr wahrscheinlich, weil er glaubt, dass die meisten Parteien dem Verbot zustimmen würden. 

Rechtliche Lage kompliziert

Rechtlich ist die Lage aber nicht ganz so einfach, weil niemand nachvollziehen kann, was wirklich zwischen einem Patienten und seinem Therapeuten besprochen wird.

Bastian hegt keinen Groll

Bastian betont, dass er alle Seminare und Therapien freiwillig gemacht habe. Er stellt allerdings auch infrage, ob er in den Strukturen, in denen er gelebt hat, überhaupt eine andere Entscheidung hätte treffen können.  

Einen Groll gegen Familie, Freunde oder seine Gemeinde hege er nicht. Was Bastian allerdings problematisch findet: Sein früheres Umfeld hätte es zwar nicht besser gewusst, aber eben auch nicht besser wissen wollen. 

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