Herzogin Meghan macht es wohl auch: Hypnobirthing, also eine Geburt mithilfe von Hypnose. Das Versprechen: weniger Schmerzen. Ob das wirklich funktioniert, ist noch nicht fundiert wissenschaftlich belegt, sagt der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide.

Nicht alle, aber viele Frauen haben Angst vor der Geburt. Weil zum Beispiel die erste so schlimm war, oder auch, weil Freundinnnen von ihren Geburten und den Schmerzen dabei berichtet haben. Wenn es also eine Methode gibt, die weniger Schmerzen verspricht, warum soll man sich das nicht mal genauer anschauen - oder es direkt ausprobieren?

Schmerzen lassen sich nicht verhindern aber uminterpretieren

Vorweg: Die Schmerzen werden sich nicht verhindern lassen. Aber sie lassen sich eventuell uminterpretieren, sodass sie nicht als ganz so schlimmer Schmerz empfunden werden. Beim Hypnobirthing geht es darum, Frauen die Ängste vor der Geburt zu nehmen und die Schmerzen zu reduzieren, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Winkelheide. Die Theorie lautet, dass Angst Anspannung, und Anspannung Schmerz verursacht.

"Bei dem Kurs werden Techniken erlernt und eingeübt, mit deren Hilfe das Kind im Idealfall mit weniger Schmerzen auf die Welt kommt."
Martin Winkelheide, Deutschlandfunk Nova, über Hypnobirthing

Bei Hypnobirthing sei es nicht so, dass jemand mit einem Pendel im Kreißsaal steht und dich in Trance versetzt, erklärt Martin Winkelheide. Vielmehr müssen die Frauen sich selbst in den gewünschten Zustand bringen - und dazu müssen sie vorher einen Kurs besuchen.

Kursangebote vorher gut prüfen

Einen Hypnobirthing-Kurs besucht man in der Regel vier bis fünf Mal. Die Kosten liegen je nach Anbieter zwischen 300 Euro und 500 Euro. Die Krankenkassen übernehmen das nicht. Da einen solchen Kurs im Prinzip jeder anbieten kann, sollte man unbedingt vorher checken, welche Ausbildung der- oder diejenige hat und nach welcher Methode unterrichtet wird.

Vorwiegend geht es in den Kursen darum, sich auf die Geburt vorzubereiten. Zu den Übungen zählen Atem- und Entspannungstechniken, aber auch das Training, einen anderen, positiven Blick auf den eigenen Körper zu bekommen, sagt Martin Winkelheide. Vieles laufe da über Autosuggestion - wobei Bilder entworfen und wiederholt werden, die dann im Kreißsaal abgerufen werden können.

Mit Autosuggestion gegen den Schmerz

Ein Beispiel ist etwa das Bild des Wehenschmerzes, der anrollt wie eine Welle. Die Frage ist: Wie geht die Frau mit diesem Schmerz um? Beim Hypnobirthing geht es darum, daran zu arbeiten, dass sie sich nicht gegen diesen Schmerz wehrt, sondern versucht, auf dieser Welle zu reiten, sagt Martin Winkelheide. Auf diese Weise bleibt die Frau aktiv und wird von den Wehenschmerzen nicht überrollt.

"Das Bild des Wellenreitens interpretiert die Schmerzen um."
Martin Winkelheide, Deutschlandfunk Nova, über Hypnobirthing

Ein anderes Bild, von dem man häufig hört und liest, ist das Bild vom Kind, das sich durch den Geburtskanal drängt. Auch eine befremdliche Vorstellung für viele Frauen. Hier könne es der Theorie nach helfen, sich das Bild einer Blüte vorzustellen, die sich öffnet.

Hypnose hat Effekte darauf, wie Signale im Gehirn verarbeitet werden

Beim Schmerz sei vieles eine Frage der Bewertung, sagt Martin Winkelheide. Diese Bilder ließen sich über Hynobirthing vorher einüben und dann im entscheidenden Moment abrufen.

"Forscher, die sich mit Hypnose beschäftigen, gehen davon aus, dass Hypnose Effekte darauf hat, wie Signale im Gehirn verarbeitet werden."
Martin Winkelheide, Deutschlandfunk Nova, über Hypnobirthing

Die Studienlage zur Frage, wie erfolgreich Hypnobirthing ist, ist leider bisher nicht allzu groß. Forschende der Uni Tübingen haben untersucht, wie Hypnobirthing bei Erstgebärenden funktioniert. Ihr Ergebnis war, dass 80 Prozent der Frauen ohne Hypnose angaben, sehr starke Schmerzen bei der Geburt gehabt zu haben, wohingegen es bei der Hypnosegruppe nur 50 Prozent waren.

Weiteres Ergebnis: Die Geburt ging bei den Frauen unter Hypnose schneller. Die Forschenden deuten das als Indiz dafür, dass durch die Selbsthypnose eher eine Entspannung erreicht wird, wodurch sich der Muttermund schneller und leichter geöffnet hat. Die Studie zeigt aber auch: Trotz Hypnobirthing kann die Geburt sehr schmerzhaft sein.

Hebammen üben Kritik an Hypnobirthing

Hebammen, die im Netz von ihren Erfahrungen mit Frauen berichten, die Hypnobirthing unter der Geburt angewendet haben, üben Kritik. Demnach haben Frauen, die sich für Hypnobirthing entscheiden, eine sehr gefestigte Vorstellung davon haben, wie die Geburt ablaufen soll. Der Erfahrung von Hebammen nach können unter der Geburt etliche Komplikationen entstehen, auf die individuell reagiert werden muss. Da könnten feste Bilder im Kopf ein Hindernis für eine gute Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen im Kreißsaal sein.

Hypnobirthing gibt es seit den 1980er Jahren

Die Idee des Hypnobirthing ist übrigens nicht neu. Eine weit verbreitete Methode kommt von der US-Amerikanerin Marie F. Mongan, die sich schon in den 1980er Jahren mit Hypnose unter der Geburt beschäftigt hat.

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