Ein-Euro-Läden, SB-Bäckereien und leer stehende Ladenlokale: Viele Innenstädte in Deutschland sind nicht besonders einladend. Das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) hat für die größte Innenstadt-Studie Deutschlands zum dritten mal knapp 60.000 Besucher in 116 Städten befragt – und es gibt ein paar Lichtblicke. 

Im Schnitt gab es für Deutschlands Innenstädte die Schulnote 3+. Insgesamt schneiden aber viele Städte aus dem Osten Deutschlands in diesem Jahr gut ab. Es gibt verschiedene Kategorien je nach Größe von Mittelstädten mit 25.000 Einwohnern bis zu Großstädten mit über 500.000 Einwohnern. 

Ganz oben in der Gesamtwertung stehen Wismar, Stralsund, Trier, Erfurt und Leipzig. Bei einzelnen Aspekten, wie zum Beispiel einer guten Auswahl an Geschäften, sind auch Städte wie Mannheim, Cottbus oder Arnsberg in Nordrhein-Westfalen vorne dabei.

"Insgesamt gibt es eine klare Tendenz: Je größer die Stadt, umso besser ist auch die Note, weil es den größeren Städten wahrscheinlich leichter fällt, den Leuten mehr zu bieten."
Jörg Marksteiner, Wirtschaftsjournalist

Wer ganz hinten im Ranking der Innenstädte steht, wird nicht veröffentlicht – die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Die Städte bekommen dafür eine Detailauswertung mit ihren Hausaufgaben, um ihre Schulnote sozusagen zu verbessern. Sie können dann selbst entscheiden, ob sie ihr Ergebnis veröffentlichen oder nicht.

Parken ist das Hauptproblem in deutschen Citys

Hauptkritikpunkt der Befragten ist das Parken: Das wird als zu nervig, zeitraubend und kompliziert bewertet. Manche Städte haben daher besondere Angebote entwickelt – wie zum Beispiel Langenfeld, eine kleine Stadt zwischen Düsseldorf und Köln: Da haben sich Stadt und Einzelhandel zusammen getan. Die Stadtbewohner bekommen einen digitalen Chip, mit dem sie automatischen Zugang zu den Parkhäusern haben. Die Gebühren werden dann vom Konto abgebucht.

"Obwohl an vielen Standorten mit vielen Strategien versucht wird, die Parksituation zu verbessern, bleibt das der Bereich, wo die Besucher der Innenstädte sich am meisten Entwicklung wünschen."
Boris Hedde, Studienleiter und Geschäftsführer am IFH

Fußgängerzonen in Kleinstädten sind in einer Abwärtsspirale

Die Studie zeigt außerdem: Auch bei den Kriterien Auswahl und Flair hapert es vielerorts. Da sind kleinere Städte die Sorgenkinder. Immer weniger Besucher kommen, unter anderem weil mehr Umsatz im Online-Handel gemacht wird. Das große Problem ist: Der Handel sucht sich jetzt die besseren Standorte, nämlich da, wo noch Leute sind, und geht raus aus den Einkaufszonen der kleineren Städte.

Die Forscher fordern ein Umdenken: Es reiche nicht mehr, dass die Städte sich Konzepte mit mehr Grün und Spielplätzen ausdenken. Sie müssten mehr darauf eingehen, was die Kunden sich wünschen. Zum Beispiel möchte ein Großteil der befragten 25 bis 44-Jährigen gerne online schauen, was die Läden anbieten, bevor sie in die Stadt gehen, zum Beispiel, ob ein Artikel in einem Geschäft vorhanden ist.

"Ich gehe nicht davon aus, dass unsere Innenstädte aussterben. Aber es wird weniger Standorte geben."
Jörg Marksteiner, Wirtschaftsjournalist

Wirtschaftsjournalist Jörg Marksteiner glaubt, dass die Geschäftsflächen in unseren Innenstädten sich verkleinern werden und viel Gastronomie dazu kommen wird. Außerdem sagt er voraus, dass das Einkaufen in vielen Geschäften sich durch Funktionen aus dem Online-Handel ergänzen wird, zum Beispiel durch digitale Spiegel oder leichte Bestellprozesse. Allerdings, so Marksteiner, werden wir diese attraktiven Einkaufsmöglichkeiten an immer weniger Standorten haben, tendenziell nur noch in den größeren Städten.