Selbst den Mücken ist es zu trocken, deshalb gibt es derzeit relativ wenige von ihnen. Sobald es wieder mehr regnet, kommen auch die Mücken zurück.

Beispielsweise gibt es kaum Überflutungsmücken am Oberrheingraben, die vor allem dort aktiv sind, wenn die Wasserstände zwischen hoch und tief schwanken. Aber auch entlang aller größeren Flachlandflüsse können sich die Mücken derzeit nicht fortpflanzen und entwickeln, erklärt Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin.

"Da ist absolute Entwarnung zu geben, nicht nur entlang des Rheins, sondern auch entlang aller größeren Flachlandflüsse, und von daher sind wir in diesen Regionen relativ mückenfrei."
Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin

Überall dort, wo es verstärkt regnet, wo zumindest die Regentonnen oder vereinzelt auch Pfützen und Straßengräben gefüllt sind, kann es dazu kommen, dass die Mücken ihre Eier ablegen, sagt Doreen Walther. Und dort gibt es dann auch auf jeden Fall Mücken.

"Auch die Mücken darben unter dieser wahnsinnigen hohen Sonneneinstrahlung und warten darauf, dass irgendwo zu einem Regenguss kommt."
Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin

Weil es jetzt so wenige Mücken gibt, heißt das aber nicht, dass es dieses Jahr keine mehr geben wird. Denn sobald es zu massiven Regengüssen kommt, sagt die Mückenexpertin, legen die Mücken sofort ihre Eier. Maximal 14 Tage dauert die Entwicklungszeit, sodass wir die ein oder andere Mücke im August erwarten dürften, sagt Doreen Walther.

"Wenn es zu massiven Regengüssen kommt, dann sind die Mücken sofort da, die jetzt in den Startlöchern sitzen und eigentlich nur darauf warten, ihre Eipakete ablegen zu können."
Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin

Es ist auch nicht so, dass für die Mücken jahreszeitlich irgendwann der Zug abgefahren ist. Denn es gibt über 50 verschieden Stechmückenarten und jede entwickelt sich unterschiedlich und kommt unterschiedlich gut mit den Jahreszeiten und klimatischen Verhältnissen zurecht. "Die Mücken warten nur darauf, dass sie wieder in die Spur kommen können", erklärt Doreen Walther, selbst wenn die Trockenheit noch länger anhalten sollte.

Mücken wichtiger Bestandteil der Nahrungskette

Auch, wenn wir uns darüber freuen, dass es so wenige Mücken gibt, sind sie für die Natur ein wichtiger Bestandteil in der Nahrungskette, sagt die Mückenexpertin. Wenn es zu wenige Mücken gibt, dann haben Fledermäuse und Vögel weniger zu futtern, aber auch Fische, Frösche oder Reptilien, die sich von Mücken und ihren Larven ernähren.

Keine künstlichen Mückenbiotope anlegen!

Wer ein Herz für Mücken hat, sollte nicht anfangen, künstliche Wasserstellen in seinem Garten anzulegen. Diese Hilfe könnte unangenehme Folgen haben. Die Mückenexpertin rät deshalb, Wassertonnen abzudecken und in den Vogeltränken regelmäßig das Wasser auszutauschen, damit die Larven keine Chance haben.

"Man sollte schon, um seine eigene Stechmückenpopulation im Garten im Griff zu haben, darauf achten, dass die Regentonnen abgedeckt sind oder die Vogeltränken kontinuierlich ausgewechselt werden."
Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin

Auch Mückenexpertin Doreen Walther wird von Mücken angeflogen, allerdings wohl nicht so häufig wie andere in ihrer Umgebung. Wenn dann eine auf ihr landet, schlägt auch sie zu. Aber: Doreen Walther schaut vorher, von welcher Mückenart sie gerade gestochen wird.

"Natürlich werde ich auch gestochen, auch ich haue zu, aber der Unterschied von mir zu anderen ist, dass ich vorher schaue, welche Mückenart mich sticht. Aber begeistert bin ich in dem Fall auch nicht."
Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin

Die Mückenexpertin hat meistens ein Röhrchen in der Tasche dabei, sodass sie dann die Mücke einfangen kann und mit ins Labor nimmt. Dort kommt die Mücke zur Sammlung. Zu dieser Sammlung können auch interessierte Bürger beitragen, indem sie Stechmücken einsammeln. So kann Doreen Walther kartieren, wann und wo welche Stechmücke in Deutschland aktiv ist.

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