Er hat die großen Enzyklopädien überflüssig gemacht und mit Wikipedia eine der ganz großen Web-Erfolgsstorys geschrieben: Jimmy Wales. Jetzt hat der Wikipedia-Erfinder ein neues Projekt: Ein Portal gegen Fake-News soll schon bald die Arbeit aufnehmen. Als Wiki.

Noch gibt es Wikitribune nicht. Nur eine Erklärseite ist derzeit auf der Homepage der neuen Plattform zu finden.

"Die falschen Nachrichten sollen mit der einen großen Idee bekämpft werden, die schon Wikipedia zum Erfolg verholfen hat: Die Crowd arbeitet gemeinsam an den Artikeln."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

In dem Fall heißt das: Journalisten und einfache Leser schreiben gemeinsam Nachrichten.

Alle Fakten mit Quellen belegen

Den Kern des Projektes bilden zehn professionelle Journalisten, die Texte schreiben, die nicht nur vom User kommentiert, sondern auch umgeschrieben werden können. Das soll dann die Qualität der Texte steigern. Wie auch bei Wikipedia sind natürlich Manipulationen denkbar. 

Bei Wikitribune sollen die durch die User erzeugten Änderungen erst nach einer Prüfung sichtbar werden. Das soll eine gewisse Sicherheit bieten. Außerdem müssen die Behauptungen mit Quellen belegt werden. Alle Fakten in Artikeln sollen auf "Wikitribune" mit Link-Quellen belegt werden.

Finanzierung durch Crowd-Kampagne

Da auch professionelle Journalisten bei Wikitribune mitmachen, müssen die natürlich bezahlt werden. Finanziert werden soll das mit einer Crowd-Kampagne – also erst einmal durch Spenden. In den kommenden 28 Tagen sucht Wales also nach kleinen und größeren Geldgebern. Große Vorarbeit mit einer finanziellen Prüfung, ob so ein Angebot funktionieren kann oder nicht, gab es nicht. 

"Wales ist - so sagt er - einfach einem Bauchgefühl gefolgt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Wenn bis zum 24. Mai nicht ausreichend Geld zusammenkommt, dann ist auch ganz schnell Schluss mit Wikitribune. Dann bekommen die Spender ihr Geld direkt zurück. Als dauerhafte Lösung sollen die Unterstützer später Monatsabos abschließen.

Keine Werbung

Eine alternative Finanzierungsmöglichkeit wäre ja zum Beispiel Werbung. Die wird man auf Wikitribune aber erst einmal nicht zu sehen bekommen. Wales ist nämlich der Meinung, dass nicht zuletzt die Werbung dazu geführt hat, dass die Onlinemedien auf der Jagd nach Klicks ihre Standards nicht durchsetzen konnten.

Mit dem Journalisten und Wissenschaftler Jeff Jarvis und diversen anderen Beratern sind bekannte Gesichter an Bord. Und auch Jimmy Wales selbst hat natürlich einen Namen im Netz. Das Projekt ruft aber natürlich auch Skepsis hervor. 

Hat das Projekt langfristig eine Chance?

Joshua Benton, der Direktor des Nieman Journalism Lab an der Harvard Uni, glaubt nur an eine begrenzte Strahlkraft einer solchen Seite. Mit 10 bis 20 Journalisten habe sie ja nur eine sehr schwache Redaktion. Der Crowd-Funding-Ansatz ist für ihn daher ein limitierender Faktor.

Und wenn wir uns in Deutschland an die Erfahrung mit Crowd-finanziertem Journalismus zurückerinnern, dann ist das Projekt "Krautreporter" ja auch nicht gerade ein Riesenerfolg gewesen. 

"Mit 10-20 Journalisten den Kampf gegen Fake-News aufnehmen, ist schon wirklich sehr mutig."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova Netzreporter