Österreichs Jobcenter entscheiden künftig mithilfe einer Software darüber, welche Arbeitslose weitere Fördermaßnahmen erhalten.

Der Arbeitsmarktservice (AMS), die österreichische Version unserer Jobcenters, wird in Zukunft Algorithmen einsetzen, um Arbeitslose zu sortieren. Ein entsprechendes System wird 2019 in unserem Nachbarland eingeführt.

Entscheidung aufgrund der Datenlage

Der Algorithmus wird zunächst mit Informationen über den Arbeitssuchenden gefüttert, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte: zum Beispiel Alter, Staatsbürgerschaft und Daten über die Ausbildung. Auch, wie lange sie/er schon gearbeitet hat und wie die Arbeitsmarktsituation in einer bestimmten Region ist, fließt mit ein. 

Aufgrund der Daten teilt der Algorithmus die Suchenden dann in eine von drei Kategorien ein: hohe, mittlere oder niedrige Jobchancen.

"Der Algorithmus entscheidet, ob du zu den Menschen mit hohen, mittleren oder niedrigen Chancen auf einen Job gehörst."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova
  • Eine "hohe Chance" hat, wem das Modell ausrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie/er innerhalb von sieben Monaten eine neue Arbeit findet, mindestens 66 Prozent beträgt. 
  • In die "niedrige" Kategorie fallen die, bei denen das System davon ausgeht, dass diese Wahrscheinlichkeit bei weniger als 25 Prozent liegt.
  • Alle anderen fallen in die mittlere Kategorie.  

"Ressourcen effizienter einsetzen"

Wer in der niedrigen Kategorie landet, kriegt ab 2020 eher keine teure Weiterbildung mehr bezahlt – die in der oberen Kategorie übrigens auch eher nicht, weil die sich tendenziell selbst helfen können, glaubt der Arbeitsmarktservice Österreich. Gelder für Weiterbildungen sollen künftig eher in die mittlere Kategorie fließen. Ziel des Aktion sei es, so der AMS, "die Ressourcen der Arbeitsmarktpolitik langfristig effizienter einzusetzen."

Software gibt Empfehlung

Die Entscheidung trifft zwar immer noch ein menschlicher Arbeitsberater. Er trifft sie aber in Zukunft auf Grundlage der Wahrscheinlichkeit, die der Algorithmus errechnet hat. Aus zahlreichen Untersuchungen sei aber bekannt, dass Empfehlungen einer Software von Menschen tendenziell kaum verändert würden, sagt der Datenexperte Wolfie Christl gegenüber Netzpolitk.org.

Nach einem Bericht des Standard wird die Software übrigens bereits von den AMS-Angestellten genutzt. Bisher wurde allerdings keine Einteilung in die drei Kategorien vorgenommen.

Ältere Menschen und Nicht-Österreicher haben es schwerer

Nach offiziellen Angaben hat der Algorithmus eine Trefferquote von 85 Prozent – jede siebte seiner Entscheidungen ist also falsch, wie das Blog Netzpolitik schreibt. Das ist aber nicht das einzige Problem: Da das System ältere Menschen oder Nicht-Österreicher häufiger als Menschen mit schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschätzt, werden sie bei der Vergabe von Mitteln quasi benachteiligt. 

Das ist auch der Grund, warum die alte SPÖ-Regierung das System nicht einführen wollte. Die jetzige Koalition aus ÖVP  und FPÖ sieht das offenbar anders: Sie hat in der letzten Zeit bereits eine Reihe anderer umstrittener Arbeitsmarkt-Maßnahmen, etwa den 12-Stunden-Tag, eingeführt sowie die Rechte von Beschäftigten gelockert. 

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