Adrenalin, Schweiß und Training auf einem E-Pferd: An der einzigen deutschen Jockey-Schule in Köln werden die Reitprofis von morgen geformt. Unser Reporter Tim Schauenberg hat vier Jockey-Azubis einen Tag begleitet.

Irgendwann einmal ein großes Rennen in Dubai, Hongkong oder Australien reiten. Davon träumt jeder der insgesamt 28 deutschen Nachwuchsjockeys in Deutschland. An der Schule in Köln-Weidenpesch lernen die Galopper von morgen, wie man im Pferderennsport ganz nach oben kommt. Denn: "Rennreiter" ist ein Ausbildungsberuf.

Mindestens einmal im Jahr kommen die Jockey-Azubis für eine Woche Intensivtraining nach Köln. Diesmal sind es vier "Jockettes", so werden die Reiterinnen genannt. Der Lehrgang ist Teil ihrer Ausbildung "Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten". Sie ist staatlich anerkannt und qualifiziert auch für andere Berufe im Pferdesport. Aber jeder hier will Profi werden. Doch der Traum vom Profi-Rennzirkus geht jedes Jahr gerade mal für ein oder zwei Nachwuchsjockeys in Erfüllung. Und für diesen Traum vom Profi-Jockey müssen sie hart arbeiten, sagt Kai Schirrmann, der Koordinator der Jockeyschule.

"Man braucht Kraft, man muss fit im Kopf sein und man braucht Ausdauer. Und das ist natürlich das, was den Hochleistungssport ausmacht."
Kai Schirrmann, Koordinator an der Jockeyschule Köln Weidenpesch

Ein klassischer Trainingstag geht früh morgens um 7 Uhr los: Pferd putzen, warm laufen, einmal im Sprint um die Bahn. Das ganze fünf Mal, mit fünf verschiedenen Pferden. Extrem anstrengend für die Reiter, besonders bei 35 Grad im Schatten. Und: extrem zeitaufwändig. Viel Zeit für Freizeit bleibt als Jockey nicht. Das Reisen und die Rennen am Wochenende machen ein Privatleben außerhalb des Pferdesports kaum möglich. Reich wird man auch nicht. Ein durchschnittlicher Jockey verdient im Monat rund 3000 bis 3500 Euro.

Das optimale Renngewicht liegt zwischen 52 und 54 Kilo, idealerweise bei einer Größe von rund 1,60 Meter. Für das Gewicht und den Erfolg muss sich Jockeys mega disziplinieren, sagt Nataly, Jockey-Azubi. Sie hat durch eine Krankheit etwas zugenommen, die Kilos müssen jetzt in der Trainingswoche wieder runter. Oder wie es im Jockey-Slang heißt: Gewicht machen. Manche würden dafür auch schon mal hungern, sagt Nataly. Doch bei allen Nachteile, ist der Jockey-Beruf für sie vor allem eins – Leidenschaft.

"Wenn ich auf dem Pferd bin, fühle ich Freiheit."
Nataly, "Jockette" in der Ausbildung

Nach den Einheiten am Vormittag geht’s für mehrere Stunden lang auf den Rennreit-Simulator. Ein E-Pferd aus Plastik, das den Vollsprint simulieren kann. Assistenztrainer Pascal Werning steht direkt daneben und korrigiert. Die richtige Balance, Aerodynamik und eine gute Kommunikation mit dem Tier machen den Unterschied. Reporter Tim schwingt sich am Ende selbst auf den Plastik-Gaul und stellt fest: Der Weg zum Traumberuf ist extrem schweißtreibend.