Glatze + Springerstiefel + Bomberjacke = rechtsextrem. Das war mal. Die Szene hat sich ausdifferenziert - nicht nur inhaltlich, sondern auch modisch. Der Rechtsextremismusforscher Christoph Schulze über rechte Modelabels, Symbole und Codes.

Die politische Gesinnung ist einem Menschen schwer von außen anzusehen - es sei denn, er trägt sie bewusst zur Schau. Viele Rechtsextreme tun das. Zwar funktionieren alle sozialen Gruppen auch über modische Codes, im Rechtsextremismus ist das Bedürfnis danach aber besonders ausgeprägt, sagt Christoph Schulze, Rechtsextremismusforscher und Soziologe an der Uni Potsdam.

"Im Rechtsextremismus gibt es im Vergleich zu anderen Gruppen ein sehr hohes Bedürfnis an symbolischem Ausdruck."
Christoph Schulze, Rechtsextremismusforscher

Den Grund dafür sieht er in einer dem Rechtsextremismus eigenen Art zu denken: Gesellschaft, Politik und Geschichte, so Christoph Schulze, werden hier über Mythen und große Erzählungen kommuniziert. Dabei sei weniger bedeutend, ob die schlüssig oder historisch korrekt sind – wichtiger sei, dass sie funktionieren, um Zusammenhalt zu stiften. 

Das strahle auch darauf aus, wie man das eigene Selbstbild vermittele, eben auch durch Klamotten: Runen oder Motive aus der nordischen Mythologie sind bei Rechtsextremen beliebt. Auch Zahlencodes und Akronyme werden verwendet, etwa "18" für "Adolf Hitler"  oder "RaHoWa" für "Racial Holy War".

"Soziale Zusammenhänge funktionieren unter anderem über Codes, Symbole, Manieren, Jargon - oder eben über Kleidung. Das ist bei einem Banker nicht anders als bei einem HipHopper oder bei einem Neonazi."
Christoph Schulze, Rechtsextremismusforscher

Allerdings erkennt man rechte Mode nicht immer sofort. Manchen Marken seien ganz offen rechtsextrem – "Ansgar Aryan" zum Beispiel. Andere Marken betreiben etwas, das Christoph Schulze und seine Kollegen das "Spiel von Affirmation und Distanz" nennen: Die Motive sind uneindeutiger, untereinander erkennt man sich, wenn man aber kritisch auf die Kleidung angesprochen wird, kann man auch einfach sagen: Wo ist das Problem? Da ist doch nichts Schlimmes auf meinem Pulli! Diese uneindeutigen Marken seien erfolgreicher als die eindeutigen, sagt Christoph Schulze.

Rechtsextreme Mode: Nicht immer eindeutig zu erkennen

Am erfolgreichsten verfolge die Marke "Thor Steinar" dieses Konzept: hochwertige Klamotten, teuer, schick, sportlich. Immer wieder finde man auf den Kleidungsstücken Andeutungen auf die nordische Mythologie, Ereignisse aus dem Kolonialismus oder dem Nationalsozialismus, so der Politikwissenschaftler.

Kampf, Gewalt, Männlichkeit: Rechtsextreme Mode spiegelt rechtsextreme Werte

Andere Marken, etwa "Label 23", bedienen das Bekenntnis zu Kampf, Gewalt und Männlichkeit der Szene. Diese Marken zielen laut Christoph Schulze eher auf das Mischfeld zwischen rechter Gesinnung und der Affinität zu Kampfsport ab, der in den letzten Jahren im subkulturellen Rechtsextremismus und Neonazismus immer bedeutender geworden sei.

Rechtsextreme kapern Marken

Manche Marken sind selbst auch gar nicht rechtsextrem, werden von der Szene aber als Erkennungsmerkmal genutzt. Der Marke "Lonsdale" ging das zum Beispiel so. Aufgrund aufgrund der einfachen Tatsache, dass ihr Name die Buchstaben "NSDA" enthält, war sie zum beliebten Label unter Rechten aufgestiegen. Mittlerweile hat die Marke es geschafft, sich von dem Image zu lösen, erzählt Christoph Schulze – durch konsequente, öffentliche und langanhaltende gezielte Distanzierung von der Szene und ihren Ansichten. 

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Auch bürgerlicher Stil wird strategisch genutzt

Also: Nicht alle rechtsextremen Marken sind auf den ersten Blick erkennbar und nicht alle bei Rechtsextremen beliebten Marken sind selbst rechtsextrem. Viele Rechtsextreme folgen auch gar keinem eindeutigen Dresscode sondern pflegen einfach einen unauffällig-bürgerlichen Stil, sagt Christoph Schulze - sei es nun aus strategischen Gründen oder unabsichtlich.

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