Der älteste Permafrostboden der Welt ist 650.000 Jahre alt und liegt in Sibirien. Jetzt ist klar: Er schmilzt. Das liegt nicht am Klimawandel – ist aber trotzdem relevant für ihn.

Zehn Kilometer südlich von Batagai, mitten in der sibirischen Taiga, befindet sich eine riesige Senke. Sie ist steil, 50 Meter tief und misst einem Kilometer im Durchmesser. "Am Boden der Senke steht man dort vor einer fast senkrechten Steilwand", erzählt Thomas Opel. "Ganz genau am Boden dieser Steilwand haben wir den alten Permafrost gefunden." Da ist zu 80 Prozent Eis drin, dazu viele Sedimente, Pflanzenreste, alte Baumstämme, je nach Jahreszeit bräunlich bis orange.

Thomas Opel ist Geologe beim Alfred-Wegener-Institut und erforscht die Batagai-Senke. Genauer gesagt: den Permafrostboden.

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"Am Boden der Senke steht man dort vor einer fast senkrechten Steilwand."

Von Permafrost ist die Rede, wenn ein Untergrund zwei Jahre lang ununterbrochen gefroren ist. Bei Batagai ist er seit 650.000 Jahren gefroren und hat selbst eine außergewöhnlich warme Phase vor 130.000 Jahren überstanden. Dieser Boden taut nun auf.

Permafrost wird zerstört durch Rodung, Brände, Kettenfahrzeuge

"Das passiert oft, wenn die isolierende Vegetationsdecke, die diesen Permafrost überlagert, gestört wird", sagt Thomas Opel. Das könne durch die Rodung von Wäldern passieren, durch Nutzung von Kettenfahrzeugen, auch durch Waldbrände, wie es sie in den vergangenen Jahren in Sibirien häufiger gegeben hat.

Dann kann die sommerliche Erwärmung tiefer in den Untergrund eindringen und die obersten Schichten fangen an zu tauen. Das Eis schmilzt, die Sedimente und das übrige organische Material rutschen ab. "Im Fall von Badagai hat sich diese große kraterartige Senke gebildet", erklärt Thomas Opel. "Jetzt taut auch der alte Permafrost auf, der ganz lange geschützt war, weil er 50 Meter tief begraben war."

Permafrost ist für Forscherinnen und Forscher wie Thomas Opel extrem spannend. "Das ist ein gefrorenes Archiv", erklärt der Geologe. "Wir können gefrorene Proben nehmen, sie analysieren und können ganz viele Informationen über das Klima und die Ökosysteme der Vergangenheit rekonstruieren."

"Wenn Permafrost einmal aufgetaut ist, ist das unumkehrbar."
Thomas Opel, Alfred-Wegener-Institut

Für den Permafrost-Boden ist das das Aus, wenn er einmal aufgetaut ist, lässt sich das nicht mehr umkehren, erklärt Thomas Opel: "Dafür bräuchte es eine neue Eiszeit."

Das Auftauen befördert den Klimawandel

Das hat Auswirkungen auf den Klimawandel: In den nördlichen Permafrostgebieten ist sehr viel altes, organisches Material enthalten, zum Beispiel Pflanzen- und Tierreste. Mit dem Auftauen steht dieser alte Kohlenstoff Bakterien zur Verfügung. "Die können den quasi auffuttern und produzieren dabei Treibhausgase", sagt Thomas Opel. "Die heizen den Klimawandel zusätzlich an."

Batagai-Permafrost-Abbruch in Sibirien.
© Thomas Opel | Alfred-Wegener-Institut
Der älteste Permafrostboden hier ist 650.000 Jahre alt.