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Hebt ihr alte Sonnencremetuben auf und benutzt sie im nächsten Jahr noch mal? Solltet ihr besser nicht machen. Denn in alternden Sonnencremes, auch bei denen renommierter Hersteller, können krebserregende Stoffe entstehen, sagen Forschende aus Frankreich.

Gute Sonnencremes sind teuer. Und was teuer ist, schmeißen die meisten von uns ungerne weg. Kann man auch verstehen. Eine Studie von Forschenden der Universität Sorbonne und der nationalen französischen Forschungsbehörde CNRS könnte eure Entscheidung in Zukunft vielleicht erleichtern. Sie hat herausgefunden, dass bei alternden Sonnencremes krebserregende Stoffe entstehen können.

Die Forschenden haben Produkte untersucht, in denen der chemische Lichtschutzfilter Octocrylen enthalten ist, erklärt die Dermatologin Yael Adler.

Beschleunigtes Altern der Cremes

Die Forschenden haben die Sonnencreme-Flaschen beschleunigt altern lassen und sechs Wochen bei 40 Grad gelagert. Das entspricht in etwa einer Flasche, die ein Jahr lang bei uns zu Hause herumliegt, ohne benutzt zu werden.

"Die Forschenden haben einen Stoff in den Cremes festgestellt, den wir nicht gerne sehen: Benzophenon."
Yael Adler, Dermatologin

Nach den sechs Wochen haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nachgewiesen, dass der Stoff Benzophenon in den Cremes enthalten war. Das ist ebenfalls ein Sonnenfilter – von diesem ist allerdings schon länger bekannt, dass er krebserregend ist, das Erbgut verändern kann und den Hormonhaushalt stört, sagt die Dermatologin Yael Adler.

Wenn ältere Sonnencremes noch gut aussehen, gut riechen und nicht entmischt sind, hätten Dermatologen bisher tendenziell Unbedenklichkeit attestiert. Mit den neuen Forschungsergebnissen sehe das jetzt etwas anders aus. Die Forschenden sprechen unter anderem von Leberkrebs und Lymphomen, sagt Yael Adler. Das sei "schon ziemlich bedrohlich, wenn man das lese".

Forderung: Verzicht auf Octocrylen

Die französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rufen Hersteller dazu auf, den Stoff Octocrylen aus ihren Produkten zu verbannen. Den Konsumierenden empfehlen sie, genau auf diesen umstrittenen Sonnenfilter zu achten und sich jedes Jahr eine neue Sonnencreme zu gönnen.

Das große Problem von Octocrylen entsteht mit der Lagerung, wie die Studie jetzt gezeigt hat. Bisher galt der chemische UV-Filter als einigermaßen okay, sagt Yael Adler. Allerdings sei er schon seit zwei, drei Jahren im Verdacht, hormonelle Störungen hervorzurufen. Das könne vielleicht erklären, warum Jungs oder später Männer dann nicht fruchtbar sind. Abschließend erforscht sei das noch nicht, aber der Verdacht bestehe.

Alternative UV-Filter

Yael Adler empfiehlt, entweder Cremes zu kaufen, die kein Octocrylen enthalten oder sie im Sommer wirklich nur frisch – oder gegebenenfalls noch im Herbst – zu benutzen. Die Inhaltsstoffe stehen auf jeder Flasche hinten drauf. Manche Firmen werben sogar extra damit, dass der Stoff nicht dabei ist.

"Es gibt Cremes, die kein Octocrylen enthalten, das steht hinten auf der Flasche drauf. Das kann man nachlesen."
Yael Adler, Dermatologin

Außerdem gebe es die Möglichkeit, auf physikalische Filter umzuswitchen, also auf Cremes, in denen "praktisch nur gemahlene Puderpartikel" drin sind, so die Dermatologin. Wer sich mit diesen Produkten eincreme, sehe schnell aus wie ein Geist, weil sie ganz klein gemahlen sind. Und leider seien auch die physikalischen Filter nicht ganz unumstritten.

Mittlerweile gebe es aber ganz gute Mixturen und es sei sogar möglich, sich die vor der Sonne schützenden Mineralien als Puder auf die Haut zu pinseln. Die Industrie denke sich da einiges aus.

Sonne meiden, kleiden, cremen, Möhren

Ganz grundsätzlich sei der Sonnenschutz natürlich sehr wichtig, sagt die Dermatologin. Die Zahl der Hautkrebs-Fälle steige. Sonnenlicht beschleunige die Hautalterung sehr. Ihre Empfehlungen: meiden, kleiden, cremen, Möhren.

Also nicht in die pralle Sonne gehen, vor allem die Mittagszeit vermeiden, einen Hut und eine Sonnenbrille tragen, dazu dicht gewebte, lockere Kleidung. Und: Jeden Tag ein Glas Möhrensaft mit einem Tröpfchen Öl zu trinken, schütze außerdem von innen. Und natürlich: die Stellen, die ungeschützt sind, eincremen – mit der richtigen Creme.