Keine Schlepper, keine Schlauchboote: Christliche Helfer in Italien holen mit Spendengeldern ausgewählte Flüchtlinge von Äthiopien aus ins Land - ganz legal, über sogenannte "humanitäre Korridore".

Es war Papst Franziskus selbst, der den Anstoß zu dem Fluchthilfe-Projekt gab: Im Juli 2013 hatte er die italienische Insel Lampedusa besucht. Kurz zuvor waren wieder Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Der Papst sprach von einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit". In seiner Predigt vor Ort fragte er: "Wer hat über die Menschen geweint, die in den Booten waren?"

Vertreter von Caritas, protestantischen Waldensern und der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio beschlossen daraufhin, legale Fluchtmöglichkeiten zu schaffen: Sie organisieren seither Visa, Sprachkurse und Betreuung für ausgewählte Flüchtlinge. Mit Spendengeldern und dem Flugzeug holen sie sie ins Land.

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Die ARD-Korrespondentin Ellen Trapp hat für ihre Doku "Legal, sicher, christlich - Fluchthilfe im Namen des Papstes" die christlichen Fluchthelfer getroffen und einige Geflüchtete bei ihrem Start in Italien begleitet.

"Das Gute an dem humanitären Korridor ist, dass die Ankunft in der neuen Heimat Italien so verläuft, dass die Menschen sofort eine Patenfamilie haben oder Gemeindemitglieder, die sich um sie kümmern."
Ellen Trapp, ARD-Korrespondentin für Italien
Familien halten italienische Fähnchen in der Hand.
© Imago | Independent Photo Agency
Im November 2017 kam die erste Gruppe von Flüchtlingen aus Äthiopien in Rom an.

Rund 1000 Visa sind seit dem Start der Initiative im Jahr 2016 für syrische Flüchtlinge im Libanon vergeben worden. Ein zweiter humanitärer Korridor führt seit 2017 von Äthiopien aus nach Italien - über ihn kommen Menschen aus Eritrea, Somalia oder dem Südsudan nach Italien, die vor Krieg und Hunger fliehen. Besonders Schutzbedürftige werden bevorzugt - etwa alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, Folteropfer oder Menschen, die medizinische Betreuung brauchen.

"Die zuständigen Helfer reisen nach Äthiopien, schauen sich in den verschiedenen Flüchtlingsheimen im Land um und reden mit den Leuten - um dann nach einem Kriterienkatalog auszuwählen, wer sicher und legal nach Italien geflogen werden soll."
Ellen Trapp, ARD-Korrespondentin für Italien

Humanitäre Visa als Eintrittskarte nach Europa

Damit die Menschen überhaupt einreisen können, bekommen sie noch in Äthiopien humanitäre Visa. Nach ihrer Ankunft in Italien können sie dann einen Antrag auf Asyl stellen. 

Schon vor der Ankunft sei klar, sagt die Filmemacherin, wer in welche Stadt kommt. Pflegefamilien oder kirchliche Betreuer kümmern sich um die Neuankömmlinge und unterstützen sie - auch bei der Jobsuche. Denn die Geflohenen dürfen relativ schnell arbeiten. Sie bekommen auch einen Sprachkurs. Das soll die Integration erleichtern.

"Wenn wir davon ausgehen, dass fast 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, dann sind hier 500 oder da 1000 Menschen, die legal in ein europäisches Land gebracht werden, natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein."
Ellen Trapp, ARD-Korrespondentin für Italien

Salvini blockiert die Korridore nicht

Ellen Trapp sagt, sie konnte mit Italiens rechtspopulistischem Innenminister Matteo Salvini über die humanitären Korridore sprechen. Er heiße sie gut, so die Filmemacherin, auch wenn er ansonsten einen extrem harten Flüchtlingskurs fährt und auf Abschottung setzt.

Wie ein Sechser im Lotto

Für jeden Einzelnen, der über die Korridore nach Europa kommen kann, sei das wie ein Sechser im Lotto, meint Ellen Trapp. Auch wenn sie weiß, dass ihre Zahl angesichts von fast 70 Millionen Flüchtlingen weltweit kaum nennenswert ist. 

Wie alle anderen Antragsteller auf Asyl müssen übrigens auch die Auserwählten der christlichen Organisationen ein Verfahren durchlaufen. Dass ihr Asylantrag am Ende Erfolg hat, sei nicht sicher, sagt Ellen Trapp, aber doch sehr wahrscheinlich.

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