Drei Bücher wollen uns über die angebliche Gesundheitsgefahr durch einen Pflanzeninhaltsstoff namens Lektine warnen.

Lektine gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe und sind keine Nährstoffe. Es sind Inhaltsstoffe, die - abhängig von ihrer Struktur - unseren Körper beeinflussen. Titel wie "Böses Gemüse: Wie gesunde Nahrungsmittel uns krank machen. Lektine - die versteckte Gefahr im Essen" oder "Wie Lektine uns schaden: Warum zu viel Gemüse auch nicht gesund ist" warnen vor der angeblichen Gefahr dieser Inhaltsstoffe.

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Warum vor Lektinen derzeit gewarnt wird, kann Bernhard Watzl nicht nachvollziehen. Tatsächlich hätten wir in Deutschland nur ein Problem mit Gemüse: Wir essen zu wenig davon, sagt Bernhard Watzl vom Institut für Physiologie und Biochemie am Max Rubner Institut in Karlsruhe. 

"Es gibt keine Studie die zeigt, dass viel Gemüse mit Nachteilen für die gesundheitliche Wirkung verbunden ist."
Bernhard Watzl, Institut für Physiologie und Biochemie am Max Rubner Institut (MRI) in Karlsruhe.

Keine Erkenntnisse, dass von Lektinen eine Gefahr ausgeht

Laut Bernhard Watzl gibt es keine neuen Erkenntnisse, die eine gesundheitsgefährdende Einordnung der Lektine zuließen. Lektine kommen in allen Pflanzen vor. Selbst der Mensch wie auch alle anderen Säugetiere produzieren Lektine. 

Bestimmte Lektine gehören in die Kategorie Gifte, andere seien harmlos. Durch beispielsweise Kochen von Gemüse werden schädliche Stoffe zerstört. Das trifft auch auf Lektine zu - außer sie sind hitzestabil wie Lektine im Getreide. Aber in den von uns konsumierten Getreide- und Vollkornportionen sind so geringe Mengen an Lektine vorhanden, dass keine Gesundheitsgefahr davon ausgehe, sagt Bernhard Watzl. 

Gurken in Herzchenform
© dpa

Wir sollten mehr Gemüse essen

Den größten Schaden, den wir uns in Bezug auf Gemüse zuführen, ist nach Bernhard Watzl der, dass wir mit 125 Gramm täglich zu wenig Gemüse essen. 

"Im Gegenteil: wir sind Gemüsemuffel."
Bernhard Watzl über das tatsächliche Problem mit Gemüse

Würden wir – wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen – 400 Gramm Gemüse täglich in verschiedener Form konsumieren, würden wir in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf Schlaganfälle oder Diabetes das Risiko deutlich senken. 

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