Im mittelamerikanischen El Salvador beherrschen Jugendbanden den Alltag in den Armenvierteln. Gewalt, Raub, Erpressung und Mord treiben Tausende in die Flucht. Die umliegenden Länder tun derweil nichts gegen die Ursachen.

Die Toleranz der Menschen in El Salvador scheint so langsam strapaziert zu sein. Zuletzt gab es Proteste gegen die vielen Geflüchteten. Die kommen zu Tausenden aus den Armenvierteln des Landes und werden nun an der Grenze zu den USA, direkt neben dem Zaun - einer Metallwand - in notdürftigen Camps untergebracht. Eine schwierige Situation für die Meisten, sagt Mittelamerika-Korrespondentin Anne-Katrin Mellmann.

"Die Flüchtlinge gucken bei allem was sie tun auf diese Metallwand, von der sie nur eine Straße trennt."
Anne-Katrin Mellmann, Korrespondentin für Mittelamerika

Viele der Geflüchteten haben die Hoffnung, in die USA einzuwandern. Doch die Chancen, Asyl zu bekommen, sind nicht gut. Sie müssen die Behörden überzeugen, dass ihr Leben in Gefahr ist. Das Fatale: Die Tatsache, dass sie der Gewalt der Jugendbanden Mara ausgesetzt sind, zählt nicht mehr. 

Maras zwangsrekrutieren viele Kinder

"Die Maras haben die Armenviertel fest im Griff und wer ihnen nicht gehorcht, wird umgebracht", sagt Anne-Katrin Mellmann. Viele Kinder sind Mitglieder der Maras - teilweise schließen sie sich aus Perspektivlosigkeit an, weil sie keine Lust haben unter sklavenähnlichen Bedingungen für wenig Geld zu schuften wie ihre Eltern, oder sie werden zwangsrekrutiert. 

"Da gilt dann ganz klar: Entweder du machst bei uns mit, oder wir bringen dich um, oder wir bringen auch gleich deine ganze Familie um."
Anne-Katrin Mellmann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin

Die Angst um ihre Kinder, oder schlicht die Angst, selbst umgebracht zu werden, veranlasst viele Familien, zu fliehen. Bleiben sie dort, sind sie schutzlos. 

Keine Strategien - keine Perspektiven

Weder die Regierung von El Salvador, noch von Honduras oder Guatemala, wo Maras ein Problem sind, haben Strategien, gegen die Jugendbanden vorzugehen. Das einzige Mittel ist die harte Hand, wie Anne-Katrin Mellmann sagt, was so viel bedeutet, dass die Maras in den Knast gesteckt werden. Mit der Folge, dass die Gefängnisse völlig überfüllt sind. 

An Programmen, die Perspektiven bieten, fehlt es völlig. Die Bandenmitglieder haben keine Chance, in die Gesellschaft zurückzukehren. Erschwerend kommt noch hinzu, dass innerhalb der Banden gilt: einmal Mara immer Mara. Wer aussteigen will, wird umgebracht. 

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