Der amerikanische Süßwarenkonzern Mars produziert nicht nur Schokoriegel, sondern auch Tierfutter. Jetzt steigt er in Deutschland auch ins Geschäft mit der Tiermedizin ein und will Tierarztpraxen eröffnen.

Mars Incorporated ist ein Megakonzern. Was vor mehr als 100 Jahren begann und mit dem Riegel aus Karamell, einer süßen Creme, ummantelt von Schokolade so richtig Fahrt aufnahm, ist heute eines der mächtigsten Unternehmen der Welt. Mit 80.000 Mitarbeitern und 35 Milliarden Dollar Umsatz.

Viel mehr als Süßigkeiten

Mars produziert und verkauft Süßigkeiten, Nahrungsmittel, Kaugummi, Tiefkühlessen, Getränke, aber eben auch Tiernahrung, Katzenstreu und weitere Produkte für Hunde, Katzen und Meerschweinchen. Weil Mars nicht nur mit satten Haustieren Geld verdienen möchte, sondern auch mit kranken, hat sich der Konzern im Januar 2017 einen US-Tierklinikbetreiber gekauft.

Ein Hund springt zu einem Mars-Riegel.
© imago | PanoramicC | Paul Marriott
Schokoriegel, Getränke, Gaugummi, Tiermedizin. Das Mars-Produktsortiment ist vielfältig.

Für die Kunden ist das durchaus praktisch. Die Mars-Kliniken in den USA etwa hängen oft an Tierfuttermärkten. So können Frauchen und Herrchen erst das Futter für ihre Haustiere kaufen und anschließend gleich noch die Zeckenimpfung machen lassen.

"Mars macht nicht nur Schokoriegel, sondern auch Tierarztpraxen."
Sebastian Schreiber, Korrespondent in Washington

In den USA gehört jede zehnte Tierarztpraxis dem Mars-Konzern. Und nun hat der Konzern auch ein skandinavisches Unternehmen übernommen: Anicura betreibt in Europa 200 Tierarztpraxen, 30 davon in Deutschland. Und mit 200 Millionen Haustieren ist Europa der zweitgrößte Pet-Markt der Welt, berichtet die Seite Wir sind Tierarzt.

"Das ist also durchaus ein lukratives Geschäft", erklärt Sebastian Schreiber, Korrespondent in Washington. Ein Großteil des Mars-Umsatzes kommt inzwischen aus dem Geschäft mit Tierfutter und Tiermedizin.

Sorge ums Tierwohl

Es gibt aber auch Nachteile. Vor allem die unabhängigen Tierärzte mit ihren eigenen Praxen seien skeptisch, sagt Sebastian Schreiber: "Viele haben Sorgen, dass sich in diesen Ketten die Ärzte nicht so ganz individuell um ihre Tiere kümmern können." Dort sei zu viel standardisiert und laufe streng nach Protokoll ab.

"Wir sind sehr besorgt darüber, dass in Zukunft in unserer Branche nicht das Wohl der Patienten im Mittelpunkt steht, sondern welchen Umsatz ein Arzt für das Unternehmen macht."
Dan Teich, Tierarzt in den USA

Einer dieser kritischen Ärzte ist Dan Teich. Er sieht ein Problem bei den Praxen, die zu großen Unternehmen gehören: "Es kann sein, dass dort Entscheidungen aus ökonomischen Gründen getroffen werden und nicht aus medizinischen."

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