Einige Foodblogger haben sich festgelegt: Melonenkerne sind das neue Superfood. Reporterin Caro Köhler wollte es genauer wissen und hat getestet, wofür sich die Kerne eignen.

Wenn wir eine Wassermelone essen, nerven die Kerne eher: Wir schneiden ein Stück Melone ab, friemeln mit Messer und Gabel umständlich Kerne raus. Beißen ein Stück ab, haben einen Kern im Mund, holen ihn wieder mit Fingern oder der Gabel raus und legen ihn am Tellerrand ab. Das wiederholen wir dann so lang, bis wir unser Stück Melone aufgegessen haben. 

Die ganze Arbeit, die wir uns mit den Kernen machen, ist unnötig, behaupten jetzt einige Foodblogger in den Sozialen Netzwerken. Die Kerne sollen gesund sein und sich - in der Pfanne geröstet - beispielsweise als Topping für Salate eignen. 

"Wir haben ungefähr genauso viel Eiweiß pro hundert Gramm wie in Nüssen. Das Fettsäuremuster ist allerdings nicht so hochwertig wie bei beispielsweise Walnüssen."
Jola Jaromin-Bowe, Ernährungswissenschaftlerin

Unsere Reporterin Caro Köhler hat sich erst mal darüber schlaugemacht, wie sich die Kerne am praktischsten aus der Melone herauslösen lassen. Dafür hat sie eine besondere Schnitttechnik angewendet: 

Mit einem langen Messer schneidet sie zuerst die Enden ab. Dann halbiert sie sie und legt sie mit der Schnittfläche nach unten auf den Tisch. 

Danach schneidet sie senkrecht, von oben nach unten – durch die Schale und das äußere Fruchtfleisch hindurch. Wichtig ist dabei, dass man nur etwa zwei Zentimeter tief in das Fruchtfleisch hineinschneidet. Also nicht komplett bis zur Mitte. 

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"Was die Nährwerte von Melonenkernen angeht, können die mit anderen Samen und Nüssen eigentlich nicht so mithalten."
Jola Jaromin-Bowe, Ernährungswissenschaftlerin

Chiasamen, Gojibeeren, Acai und Quinoa - immer wieder kommen Lebensmittel in die Supermarktregale, die als Superfoods angepriesen werden. Die kosten dann oft viel, aber ob sie besonders gesund sind, kann die Wissenschaft meist nicht genau belegen. 

Reporterin Caro Köhler hat sich bei der Ernährungswissenschaftlerin Jola Jaromin-Bowe darüber informiert, ob Melonenkerne so gesund sind, wie manche Foodblogger annehmen. Sie bestätigt, dass die Kerne einige gute Inhaltsstoffe wie Vitamine, Omega-6-Fettsäuren. Proteine, Mineralstoffe und Kalzium enthalten.

Melonenkerne enthalten viel Zink

Melonenkerne enthalten relativ viel Zink, rund 10 Milligramm pro 100 Gramm Kerne, das deckt sich ungefähr mit unserem Tagesbedarf. 

Dabei ist wichtig: Wenn wir an die Nährstoffe in den Melonenkernen kommen wollen, müssen wir sie gut zerkauen. 

Allerdings fehlt ihnen ein wichtiger Stoff, der in anderen Nüssen und Kernen sehr reichhaltig enthalten ist: Omega-3-Fettsäuren.

Eine Frau über deren Kopf eine Wassermelone zu schweben scheint.
© picture alliance / dpa
"Wir haben hier pflanzliches Fett auf jeden Fall aber keinerlei Omega-3-Fettsäuren. Das haben wir dagegen in Leinsamen und Chiasamen und in Walnüssen, Pekannüssen und Macadamianüssen."
Jola Jaromin-Bowe, Ernährungswissenschaftlerin

Im Netz hat Caro Geschichten darüber gelesen, dass Melonenkerne, wohl auch Blinddarmentzündungen auslösen können, wenn sie versehentlich im Wurmfortsatz, dem Anhängsel an unserem Blinddarm, landen. 

Horrorstorys über Blinddarmentzündungen

Unsere Reporterin Caro hat bei einer Ärztin nachgefragt, die ihr gesagt hat, dass das ganz theoretisch möglich, aber eher unwahrscheinlich sei. 

"Es tut unserer Verdauung auf jeden Fall gut, die Kerne mitzuessen. Und wenn man sie zerkaut, hat man ein paar positive Nebenwirkungen."
Jola Jaromin-Bowe, Ernährungswissenschaftlerin

Melonenkerne: Gesund, aber kein Wundermittel

Reporterin Caro setzt bei ihrer Ernährung lieber weiterhin auf Nüsse oder Leinsamen. Das Trocknen und Rösten der Melonenkerne macht ihrer Meinung nach zu viel Mühe. Aber wenn sie in Zukunft eine Melone isst, wird sie die Kerne nicht mehr rauspulen, sondern einfach mitessen und gut kauen. Denn die Kerne sind gesund, auch wenn sie kein absolutes Wundermittel sind.

"Wer also Wassermelone isst und die Kerne nicht zerbeißt, sondern schluckt, die kommen einfach unverdaut wieder raus und der Darm wurde somit - in Anführungsstrichen - ein bisschen gesäubert."
Jola Jaromin-Bowe, Ernährungswissenschaftlerin

Melonenkerne zubereiten

Unverarbeitet, roh

  • Melonenkerne mit einem Küchentuch trocknen und als knackiges Topping über einen Salat streuen

Melonenkerne geröstet 

Sie schmecken leicht nussig und lassen sich gut in der Pfanne rösten

  • mit etwas Öl, Salz und Pfeffer für die herzhafte Variante 
  • Kokosöl und Zucker für Desserts oder Obstsalate

Getrocknete Melonenkerne als Tee

  • in einem Mörser zermahlen und mit heißem Wasser als Tee aufgießen

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