In einer Krise kann ein Coaching helfen, eine neue Perspektive zu finden und Menschen aus einer Sackgasse holen. Ein Coaching hat aber auch Grenzen, es ist kein Ersatz für eine Therapie. Manche Coaches werben aber mit so einem Versprechen für ihre Arbeit – und das ist ein Problem.

Plätze für eine Psychotherapie sind knapp, die Wartelisten lang. Manche Menschen suchen dann nach Alternativen, die ihnen in akuten Situationen helfen können und stoßen zum Beispiel auf Coaches.

Der Begriff "Coach" ist allerdings nicht geschützt. Im Prinzip kann sich jeder Mensch als Coach bezeichnen. Sogenannte Life-Coaches, Fitness-Coaches oder auch Mental-Health-Coaches machen besonders auf Social Media auf sich und ihre Arbeit aufmerksam.

Unseriöse Angebote für Coachings

Manche von ihnen versprechen sogar, psychische Erkrankungen therapieren zu können und teilen in kurzen Videos ihre teilweise pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse im Umgang mit Angststörungen, Burn-out oder Depressionen.

Psychotherapeutin und Autorin Sonja Unger beobachtet, wie manche Coaches bewusst Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihren Beiträgen auf Social Media ansprechen und aggressiv für ihre Coachings werben, sagt sie. Sie hat den Eindruck, dass einige Coaches psychische Erkrankungen nicht erkennen – oder nicht erkennen wollen. Im schlimmsten Fall machen sie die Situation ihrer Klient*innen noch schlimmer, statt ihnen zu helfen.

Die Psychotherapeutin hat auch einmal einen Coach kontaktiert, der sich im Netz als Experte für Burn-out und Depressionen dargestellt hat. Der habe ganz schräg kommuniziert, sagt sie: "Er hätte schon zehn Therapeuten gehabt und keiner hätte ihm helfen können – bis er jetzt seinen eigenen Weg gefunden habe, und das möchte er seinen Klienten weitergeben."

"Gerade bei Depressionen muss man vorsichtig sein, weil da oft Traumatisierungen im Hintergrund liegen können. Ich habe schon mitbekommen, dass im Coaching Retraumatisierungen passiert sind."
Sonja Unger, Psychotherapeutin

Coaching: Wegweiser, aber kein Therapieersatz

Wenn Coaches so weit gehen, überschreiten sie ihren Kompetenzbereich. Denn: Coaches dürfen ausschließlich mit psychisch gesunden Menschen arbeiten. Sie können beispielsweise Personen begleiten, die gerade durch einen Trauerprozess gehen oder ihren Job verloren haben. Also Menschen, denen Orientierung oder eine neue Perspektive helfen kann, aber die noch nicht psychisch an etwas erkrankt sind.

Bei einem Coaching sollen die Klient*innen die Lösungen für ihre Baustellen nämlich weitestgehend selber erarbeiten. Wer psychisch krank ist, schafft das in der Regel nicht – hier braucht es eine Therapie. Und dafür bedarf es spezieller Ausbildungen, um Störungen mit Krankheitswert festzustellen, zu heilen und zu lindern, erklärt Clemens Veltrup, Präsident der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein.

Einheitliche Zertifizierung fehlt

Das Problem ist allerdings: Es gibt einen Mangel an Therapieplätzen, Coaches hingegen gibt es viele. Für sie wünscht sich Psychotherapeutin Sonja Unger eine einheitliche Zertifizierung. Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Coach gibt es bisher nämlich keine. Das bedeutet: Es fehlen eindeutige Standards, die die Qualität der Arbeit eines Coaches sicherstellen und erkennbar machen.

"Sie könnten sich jetzt ein Schildchen auf die Stirn kleben, auf dem steht 'Coach' steht und dann anfangen. Es gibt hier überhaupt keine rechtliche Regelung."
Alexander Brungs, Deutscher Coaching Verband

Qualitätsmerkmale für Coaches

Ein solches Qualitätsmerkmal für ein seriöses Coaching kann aktuell zum Beispiel eine Mitgliedschaft im Deutschen Coaching Verband sein. Dafür müssen die Coaches eine Ausbildung bei einem zertifizierten Institut gemacht haben und auch eine Weiterbildung zum Thema psychische Krankheiten – damit sie im Zweifel den Klienten an Fachleute weiterverweisen können.

Es gibt auch Coaches, die Psychotherapeut*innen sind oder Heilpraktiker*innen für Psychotherapie. Wer auf der Suche nach einem Coach ist, dem rät Clemens Veltrup von der Psychotherapeutenkammer zu so einer Lösung.

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