Seehofer und Merkel haben einen Kompromiss gefunden. Aber können die beiden noch zusammenarbeiten? Seehofer hat mal wieder gepoltert und Merkel viel Respekt verloren - über einen ewigen Streit. Darüber sprechen wir mit unserer Politikredakteurin Ulrike Winkelmann.

Bereits unter Kanzler Kohl arbeiteten Merkel und Seehofer zusammen; sie als Frauen- dann Umweltministerin, er als Gesundheitsminister. In einer Kabinettssitzung soll Merkel in Tränen ausgebrochen sein. Seehofer habe mit dem Spruch reagiert, sie habe die Dinge nicht im Griff. Es war eine erste gezielte Demütigung.

Seehofer vs Merkel: andere Modelle, anderer Stil

Später gerieten die beiden massiv aneinander, als es um die Zukunft des Gesundheitssystems ging. Die Debatte fand 2003 statt. Merkel wollte eine privatwirtschaftliche Ausrichtung des Gesundheitswesens, Seehofer war komplett dagegen. Sie holte einen Scheinsieg, sagt Winkelmann. Der Streit der beiden ging weiter und hält bis heute an.

"Seehofer und Merkel vertreten ganz unterschiedliche Politikmodelle."
Ulrike Winkelmann, Deutschlandfunk

Seehofer mache auf bayrisch und krachledern, sagt Winkelmann. "Er meint, mit seinem sturen, auch  männlichen, teils chauvinistischen Stil die größten Erfolge erzielen zu können." Merkel wiederum wurde von der CDU auch aufgestellt, damit sie die Wählerinnen anspricht, vor allem die urbanen, modernen Wählerschichten. "Sie meint mit ihrem gefälligen, manchmal sehr flexiblen, vielleicht sogar opportunistisch-anpasserischem Stil die größten Erfolge zu erzielen", sagt Winkelmann.

Beide wissen um ihre politischen Erfolge - und sie wissen beide, wie unterschiedlich ihr Politikstil ist.

"Es ist eine Art zähneknirschender Respekt. Sie müssen sich als Politiker und Politikerin respektieren. Aber ich glaube, als Personen sind sie einfach fertig miteinander."
Ulrike Winkelmann, Deutschlandfunk

Wie die beiden nun weiter zusammenarbeiten sollen, das ist die Frage. Seehofer hat im Dauerstreit zuletzt ziemliche Unverschämtheiten geliefert und wird damit zitiert, dass er mit Merkel nicht mehr regieren könne und wolle, sagt Winkelmann. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Seehofer: "Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist." Eine absurde Vorstellung, findet Winkelmann. "Das ist nichts, das Merkel je vergessen wird."

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