Einmal quer durch den amerikanischen Kontinent, vom Norden bis zur südlichsten Stadt der Welt - Was für ein Traum! Sieben Freunde aus Lübeck machen das Abenteuer wahr: Nach dem Abi kaufen sie sich in Alaska einen Schulbus und fahren damit nach Feuerland - 9 ½ Monate, über 40.000 Kilometer, 16 Länder.

Findan, Mino, John, Rombout, Samuel, Anton und Til waren schon zur Schulzeit eng befreundet und haben fast jeden Tag miteinander verbracht. Den Jungs aus Lübeck war klar: Nach dem Abi wollen wir erst mal Pause machen und reisen. Und klar war auch: Das wird wohl der einzige Zeitraum sein, in dem sie alle sieben noch mal zusammen verreisen können. Auf die Panamericana-Idee kamen sie dann eigentlich durch Zufall, erzählt Mino Atzeni.

Quer durch Amerika: 9 ½ Monate, über 40.000 Kilometer, 16 Länder

Die Tickets kaufen die Freunde schon ein Jahr im Voraus. Aber wer reisen will, der braucht natürlich auch Geld. Nach dem Abi heißt es deshalb erst mal: drei Monate arbeiten und sparen. Dazu kommt ein bisschen Support von den Eltern. Und dann wird es ernst: Im Mai 2017 fliegen die sieben Kumpels nach Alaska, kaufen sich einen alten Schulbus, den sie erst kurz vorher im Internet klar gemacht haben, und bauen ihn selbst um: Sitze raus - Essecke, Sofa, Küche, Bad, acht Betten rein - jedes mit eigener Steckdose fürs Handy, versteht sich.

Screenshot eines Instagram-Posts - Umbau eines Schulbusses zu einem Reisebus
Umbau des Schulbusses für die Panamericana-Reise

Drei Wochen dauert der Umbau, und eine Versicherung müssen sie sich auch noch besorgen. „Wir hatten mehr Glück als Verstand“, gibt Mino lachend zu. Denn keiner der sieben ist 21 Jahre alt – das Mindestalter für Autoversicherungen in den USA. Aber irgendwie schaffen sie es, und dann geht es endlich los nach Süden. Konkret: Richtung Ushuaia in Argentinien, die südlichste Stadt der Welt.

"Das schöne war, dass wir so gar keinen Plan hatten."
Findan Wehner über seine Busreise mit sechs Freunden von Alaska nach Feuerland

9 ½ Monate dauert die Reise durch 16 Länder. Einen richtigen Plan haben sie nicht – erst mal ist nur klar, dass sie nach drei Monaten aus den USA raus sein müssen, weil sie mit ihrer Reiseerlaubnis nicht länger dort bleiben dürfen. Sie versuchen, an Wochenenden ab und zu mal in größeren Städten zu landen, um feiern zu gehen. Wo es ihnen gefällt, bleiben sie länger – zum Beispiel zwei Wochen am Strand, um zu surfen. Manchmal fahren sie auch fünf Tage am Stück – jeder ist mal am Steuer.

Unterwegs gehen die sieben Freunde auch surfen.
Unterwegs gehen die Freunde auch Surfen.

Ab und zu kommt auch mal Besuch aus Deutschland oder Tramper werden an Bord genommen, dann sind sie auch schon mal zu elft unterwegs. Auch wenn er etwa 13 Meter lang ist - der Bus ist sowieso schon eng, bis auf das 1m²-Bad gibt es keine Privatsphäre. Klar gibt es da auch mal Streit, erzählen Mino und sein Kumpel Findan Wehner.

"Das muss halt schon harmonieren. Grad auf so engem Raum. Das ist wie in einem U-Boot. Wenn man sich da nicht verträgt…“
Mino Atzeni über die Enge im Reisebus

Mino zum Beispiel ist Frühaufsteher, erzählt er lachend, das kann dann die anderen schon auch mal nerven. Man müsse halt kompromissbereit sein und sich einfügen. Die Freunde kennen sich aber schon lange und teilen viele Interessen, und so verstehen sie sich meistens gut.

Außerdem sucht sich jeder eine Aufgabe: Rombout zum Beispiel kniet sich richtig in die spanische Sprache rein. Und Findan kocht neun Monate lang fast jeden Tag für die komplette Mannschaft – eine Herausforderung auf dem kleinen Campingkocher, sagt Mino anerkennend, der sich selbst vor allem um Fotos und den gemeinsamen Instagram-Account kümmert.

"Gerade in Kolumbien haben wir uns sehr sicher gefühlt."
Mino Atzeni über seine Busreise mit Freunden quer durch Amerika

Bis auf einen kleinen Unfall überstehen die sieben Freunde die Reise sicher. Und das, obwohl sie durch Länder reisen, die als alles andere als sicher gelten: Mexiko zum Beispiel oder Kolumbien. Aber: Kein einziges Mal versucht jemand, in den Bus einzubrechen, erzählen Findan und Mino. Überall werden sie herzlich begrüßt und nett behandelt - bis auf Polizisten, die hin und wieder versuchen, den Jungs unter Vorwänden Geld aus der Tasche zu ziehen, gibt es keine Zwischenfälle. Und die lassen sich mit „No hablo español!“ und Aussitzen meist gut umschiffen. 

Vier Mitglieder der Sevendownsouth-Reisegruppe vor ihrem umgebauten Schulbus, der zu Verkauf steht
Ende der Reise: Der Bus wartet in Uruguay jetzt auf einen Käufer

Im Mai 2018 kommen die sieben schließlich in Argentinien an – und sind immer noch dicke Freunde. Mittlerweile sind alle wieder in der Heimat. Und der Bus? Der steht in Uruguay und wartet noch auf einen Käufer...

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