Bald werden die neuen Datenfrequenzen versteigert, danach sollen die Netzanbieter im Inland gefälligst kooperieren und einige tausend neue Masten werden dann auch noch gebaut: So steht es um 5G.

Im März 2019 sollen die 5G-Frequenzen in Deutschland an die Netzanbieter versteigert werden. Bundestagsabgeordnete der Union und SPD wollen die Netzbetreiber zur Zusammenarbeit verpflichten. Sie pochen auf ein lokales Roaming, bei dem ein Telekommunikationsunternehmen unter bestimmten Bedingungen sein Netz im Inland gegen Entgelt für Konkurrenten öffnen müsste. Wir haben mit Falk Steiner gesprochen. Er ist Korrespondent in Berlin.

"Man möchte dafür sorgen, dass es eine stärkere Verpflichtung gibt, dass die dann zusammenarbeiten und sich gegenseitig roamen. Ob das so möglich ist, steht auf einem anderen Blatt."
Falk Steiner, Korrespondent in Berlin

Aus Sicht der Politiker könnten so regionale und lokale Funklöcher in 5G geschlossen werden. Die Theorie: Hat ein Kunde mit seinem Handy kein Netz über seinen Anbieter, würde sein Gerät das Netz der lokal stärker vertretenen Konkurrenten nutzen.

Bei den Unternehmen stößt diese Idee auf ein geteiltes Echo - je nach Ausbaugrad: Telefonica, auch als O2 bekannt, wäre eher daran interessiert. Das Netz des Unternehmens wird regelmäßig als Schwächstes von den insgesamt drei Anbietern in Deutschland bewertet.

1&1 befürwortet lokales Roaming

Über kein eigenes Netz verfügt United Internet, besser bekannt als 1&1. Dennoch möchte United Internet gerne bei 5G einsteigen und möchte nur möglichst wenig in Infrastruktur investieren. Die Firma wäre ein neuer Player in diesem Bereich. Ihr kommt die Verpflichtung zu lokalem Roaming entgegen, sagt Falk Steiner.

"1&1 würde im Bereich 5G gerne mitspielen, aber sie haben einfach kein eigenes Netz. Sie bräuchten das als Fall-Back-Lösung, als Notnagel."
Falk Steiner, Korrespondent in Berlin

Die Telekom ist strikt gegen die Pläne. Das Unternehmen verfügt über die am weitesten ausgebaute Infrastruktur – also schlicht über die meisten Mobilfunkmasten, die dann nach der Auktion nur noch auf 5G aufgerüstet werden müssen.

Voraussetzung für autonomes Fahren

5G ist ein Standard, der in einem relativ kleinen Umkreis des jeweiligen Mastens eine relativ schnelle Datenverbindung gewährleistet. 5G gilt als infrastrukturelle Voraussetzung für autonome Fahrzeuge – insbesondere entlang von Autobahnen, wo sehr viele Nutzer in sehr kurzer Zeit größere Datenmengen benötigen.

"Am Ende müssen tausende Masten gebaut werden. Diese Frequenzen, um die es jetzt geht, die sind nicht so toll um große Flächen abzudecken."
Falk Steiner, Korrespondent in Berlin

Mit ihrer Forderung stellen sich die Politiker gegen die Bundesnetzagentur, die kürzlich einen Entwurf für die Vergabe von 5G-Frequenzen vorgelegt hatte. Die Agentur hatte dabei auf die unmittelbare Pflicht zum lokal begrenzten Roaming verzichtet. Die Behörde setzt darauf, dass die Telekommunikationskonzerne miteinander verhandeln – stellt sich einer von ihnen quer, könnte die Netzagentur als Schiedsrichter intervenieren und Bußgelder verhängen.

Das Verfahren, Frequenzen seitens der Bundesnetzagentur zu versteigern, steht grundsätzlich in der Kritik, seit es angewendet wird. Die Versteigerung der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000 für umgerechnet rund 50 Milliarden Euro gilt gemeinhin als Entwicklungsbremse für die Netzinfrastruktur und mit als Ursache für die bis heute unverhältnismäßig hohen Kosten für mobiles Datenvolumen und Telefonieren in Deutschland. Die Unternehmen versuchen ihre hohen Ausgaben für den Frequenzerwerb wieder einzuspielen.

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