Eine Bürgerinitiative hat für Wuppertal ein "Solidarisches Bürgerticket" entwickelt: Wenn Bus und Bahn für alle bezahlbar ist, ist das auch fürs Klima gut.

Idee der Bürgerinitiative "Solidarisches Bürgerticket für Wuppertal" ist, dass alle Wuppertalerinnen und Wuppertaler ein Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kaufen. Dieses müsse nach bestimmten Kategorien gestaffelt sein, erklärt Jan Niko Kirschbaum. Der Gründer der Initiative schlägt vor, dass beispielsweise Bereiche, die eine hohe ÖPNV-Dichte hätten, eine teurere Kategorie bilden, als Bereiche, die nur wenig mit ÖPNV abgedeckt seien.

"Wenn ich es zu weit zur nächsten Haltestelle habe oder nur einmal in der Stunde der Bus fährt, dann muss man nach unserer Vorstellung nichts zahlen außer dem normalen ÖPNV-Ticket."
Jan Niko Kirschbaum, Gründer der Bürgerinitiative "Solidarisches Bürgerticket für Wuppertal"

Ein weiteres Kriterium bildet das Einkommen: Der Ticketpreis staffelt sich in 50, 30 und 12 Euro je nach Einkommen. Sonderregelungen gibt es für Kinder, die nichts bezahlen. Schülerinnen und Schüler zahlen einen ermäßigten Beitrag. Studierende nutzen ohnehin schon das Semesterticket. Besondere Härtefälle, die den ÖPNV nicht bezahlen könnten, werden befreit.

Autofahren verursacht hohe Kosten für die Allgemeinheit

Dem Argument, dass manchen das Ticket zu teuer sei, entgegnet Jan Niko Kirschbaum, dass Autofahren den Fahrer viel mehr als das Ticket koste. Auch die Kosten durch den Autoverkehr sind für die Allgemeinheit viel höher als durch die Nutzung des ÖPNV.

"Die Kosten des Autoverkehrs, gerade hier in Wuppertal, sind so hoch und nicht gedeckt durch irgendwelche Einnahmen. Die Stadt Wuppertal bekommt von der KFZ-Steuer keinen Cent. Aber die Straßen werden kostenlos zur Verfügung gestellt."
Jan Niko Kirschbaum, Gründer der Bürgerinitiative "Solidarisches Bürgerticket für Wuppertal"

Durch den Autoverkehr entstehen den Städten Kosten für die Instandhaltung von Infrastruktur und Straßen. Diesen Kosten stehen aber keine Einnahmen zum Beispiel aus der KFZ-Steuer gegenüber, erklärt Jan Niko Kirschbaum. 

Das Bürgerticket wäre auch ein Bestandteil des Verkehrsverbunds, sodass Pendlern keine Nachteile entstünden. Pendler mit einem Monatsabo würden das Bürgerticket vergünstigt erhalten.

Bürgerticket für viele Städte

Langfristig hofft Jan Niko Kirschbaum, dass sich das "Solidarische Bürgerticket" auch in anderen Städten durchsetzt, sodass diese Tickets in der jeweils anderen Stadt anerkannt werden und der Ticketinhaber oder die –inhaberin nichts für den ÖPNV zahlen muss.

"Ich weiß nicht, ob 'zu viele Nutzer' im ÖPNV ein Schreckensszenario sind. Es müssen dann eben die Kapazitäten erweitert werden."
Jan Niko Kirschbaum, Gründer der Bürgerinitiative "Solidarisches Bürgerticket für Wuppertal"

Eine Überlastung des ÖPNV-Netzes sieht Jan Niko Kirschbaum nicht kommen. Stattdessen müsse dann das ÖPNV-Angebot weiter ausgebaut werden. Mit dem Bürgerticket könne dann auch mehr in den ÖPNV investiert und somit das Angebot verbessert werden.

Bislang sei es aber schwer vorherzusagen, wie viele Menschen auf das Bürgerticket umsteigen würden. Deshalb würde die Bürgerinitiative zunächst einmal mit kleineren Modellprojekten in Wuppertal starten, um mit den gewonnenen Daten und Erfahrungen ein flächendeckendes Angebot machen zu können.

"Wir haben seit 1990 im Verkehrssektor keine einzige Tonne CO2 eingespart. Es ist sogar mehr geworden. Wir sind der Überzeugung, mit dem Bürgerticket können wir bis zu 20 Prozent CO2-Emissionen aber auch Stickoxide und Feinstaubemissionen einsparen."
Jan Niko Kirschbaum, Gründer der Bürgerinitiative "Solidarisches Bürgerticket für Wuppertal"

Klimaschutz ist ein wichtiges Kriterium für die Bürgerinitiative. Weltweit gebe es mutige Projekte von Städten, die angenommen werden würden, sodass die Menschen auf Bus und Bahn umsteigen. Jan Niko Kirschbaum ist überzeugt davon, dass mit dem "Solidarischen Bürgerticket" bis zu 20 Prozent an CO2-Emissionen eingespart werden können.

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