Pandemiemüdigkeit hat ziemlich viele Menschen erfasst. Oft ist das gepaart mit einer schwindenden Motivation, die Corona-Einschränkungen einzuhalten. Ein gefährlicher Moment. Dabei ist es gar nicht so, dass Motivation über die Zeit hin automatisch abnehmen muss.

Menschen, die glauben, sie halten diese Einschränkungen wegen der Pandemie nicht mehr aus, reden sich das selbst ein, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck. Denn in Studien haben Forschende festgestellt, dass die Motivation für eine Sache nicht automatisch mit der Zeit nachlässt.

Selbsterfüllende Prophezeiung: Wer glaubt, Motivation wird weniger, hat auch keine mehr

Hinter der anhaltenden Motivation, weiter alle Corona-Einschränkungen ein- und die Gesamtsituation durchzuhalten, steckt das sogenannte Reframing. Das ist ein psychologischer Begriff, der beschreibt, wie Menschen ihre Einstellung und so ihre eigene Willenskraft ab- oder aufbauen können.

"Was sich jetzt in Studien herausstellt: Menschen, die daran glauben, dass sich Motivation abnutzt, haben irgendwann tatsächlich keine mehr. Aber Menschen, denen man sagt, Motivation nutzt sich gar nicht ab, die kommen in einen Dauerzustand, müssen sich nicht mehr immer wieder neu motivieren, sondern bleiben auf dem Motivationslevel."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Dieses Reframing führt dazu, dass Menschen Einstellungen umdeuten oder Ansichten in einen neuen Zusammenhang setzen. So können sie beeinflussen, ob ihre Willenskraft nachlässt oder erhalten bleibt.

Perspektive motiviert durchzuhalten

Dieser Erhalt an Motivation oder Willenskraft ist auch abhängig davon, ob die Menschen eine Perspektive haben, sagt Henning Beck. Auch wenn das Ziel noch in weiter Ferne ist, beispielsweise bis eine Mehrheit geimpft ist, hilft es, sich darauf zu fokussieren und so die Motivation zu erhalten.

"Lieber ein schlechtes Ziel, als gar kein Ziel haben. Dann ist man auch bereit, alle möglichen Einschränkungen bis dahin zu ertragen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Diese Perspektive hilft den Menschen dabei, auch Einschränkungen weiter zu ertragen. Auch ein positiver Rückblick auf die vergangenen Monate kann unterstützen, genauso wie das Fazit, dass es inzwischen schon nicht mehr so schlimm ist wie noch im Januar. Das könnte dabei helfen, sich weiter zu motivieren auch noch die letzten Monate durchzuhalten, meint Henning Beck.

Selbstkontrolle ist Erziehungssache

Forschende haben in verschiedenen Studien festgestellt, dass diese Einstellung, die Motivation über lange Zeit aufrechtzuerhalten, auch mit der Erziehung zusammenhängt, sagt Henning Beck. Beim Marshmallow-Experiment wird getestet, ob Kinder Süßigkeiten widerstehen können oder nicht. Gelingt ihnen diese Selbstkontrolle, sind sie auch als Erwachsene erfolgreicher.

Andere Studien zeigen auch, dass diese Fähigkeit der Impulskontrolle und Aufrechterhaltung der Motivation neben der Erziehung auch von anderen gesellschaftlichen Gruppen oder der Peergroup abhängig ist, sagt Henning Beck.

"Menschen legen sich eher selber aufs Kreuz, indem sie sich einreden, dass es sehr schwierig ist, sich zu motivieren."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Menschen, die sich nicht einreden, ihre Motivation nehme ab, halten deutlich länger eine solche schwierige Phase wie die der Pandemie durch.