Mülltüten aus biologisch abbaubarem Plastik dürfen wir in der Biotonne entsorgen. Viele Entsorger sortieren sie aber trotzdem aus und schmeißen sie in die Müllverbrennung. Weil der Unterschied zu normalem Plastik nicht zu erkennen ist. 

Bioplastik - das klingt nach gut für die Umwelt und nach kompostierbar, also nach einer guten Sache. Ist aber nicht ganz unproblematisch, sagen manche Experten. Unsere Reporterin Kerstin Ruskowski hat sich das Thema genauer angesehen. 

Was Bioplastik ist

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten. Zum einen sind das die biobasierten Kunststoffe und zum anderen die biologisch abbaubaren Kunststoffe. Biobasierte Kunststoffe sind ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, also zum Beispiel aus Maisstärke oder Kartoffelstärke. Biologisch abbaubar bedeutet, dass dieses Plastik unter bestimmten Umständen zu Wasser und Kohlendioxid zerfällt. Entweder, weil es eben aus nachwachsenden, natürlicherweise kompostierbaren Rohstoffen besteht, oder weil es chemisch so behandelt wurde. Dennoch kann dieses Plastik trotzdem auch ganz normales Erdöl enthalten. 

Biotüten richtig entsorgen: Biotonne ja, Komposthaufen auf keinen Fall

Steht auf einer Tüte "biologisch abbaubar", sollten wir sie trotzdem auf keinen Fall auf dem Komposthaufen entsorgen, rät das Umweltbundesamt.  Grund dafür ist, dass sich die Tüte nur unter definierten Bedingungen zersetzt.

Laut Bioabfallverordnung dürfen wir solche Tüten, die als biologisch abbaubar zertifiziert sind und zum größten Teil aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, aber mit der Biotonne entsorgen. Das hat Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt unserer Reporterin Kerstin erklärt. Dennoch können einzelne Kommunen diese Tüten verbieten und dieses Verbot auch durchsetzen. 

"Dann darf das auch nicht gemacht werden. Dann können entsprechend Tonnen, wo solche Beutel verwendet wurden, auch zurückgewiesen werden."
Petra Weißhaupt, Umweltbundesamt

Im Alltag bedeutet das: Die Müllabfuhr nimmt die Biotonne einfach nicht mit. Denn in der Realität sieht es in den meisten deutschen Kompostierungsanlagen anders aus, als es in der europäischen Norm EN 13432 beschrieben wird. Diese Norm definiert, wann man Bioplastik als biologisch abbaubar verkaufen darf. In der Norm steht wortwörtlich: " Nach drei Monaten Kompostierung und anschließender Absiebung durch ein Zwei-Millimetersieb dürfen nicht mehr als 10 Prozent Rückstände bezogen auf die Originalmasse verbleiben." 

Biotonnen in einer Reihe
© imago

Das Problem: In den meisten deutschen Kompostierungsanlagen wird nicht drei Monate lang kompostiert, sondern eher etwa vier bis maximal acht Wochen. Die Deutsche Umwelthilfe hat dazu eine Umfrage unter den Betreibern solcher Anlagen gemacht. Und fast alle haben gesagt, dass biologisch abbaubare Kunststoffe für sie ein Störstoff sei, der aussortiert werde und in der Müllverbrennung lande. Aber selbst wenn zwölf Wochen lang kompostiert würden, hätte sich die Mülltüte danach nicht vollständig aufgelöst. Sie wären nur normgerecht – also zum größten Teil zu Wasser, Kohlendioxid und Teilchen kleiner als zwei Millimeter – zerfallen. Und damit gehören diese Teilchen zum Mikroplastik, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. 

"Es führt nicht dazu, dass dieses Plastik nicht mehr vorhanden ist, sondern es verbleibt ja immer noch als Mikroplastik. Und das hat nicht viel mit biologischem Abbau zu tun, sondern das ist lediglich ein Zerfall in kleine Plastikteilchen."
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe
Mikroplastik-Partikel im Vergleich zu einem Cent-Stück
© dpa
Mikroplastik-Partikel im Vergleich zu einem Cent-Stück

Hans-Josef Endres, Professor mit Fachgebiet Biokunststoffe, sieht das anders: Wenn Mikroplastik aus biologisch abbaubarem Kunststoff bestehe, dann sei das kein Problem für die Umwelt, denn der Abbauprozess sei mit den zwei Millimeterstückchen noch nicht abgeschlossen. 

"Das heißt ja nicht, dass dann damit der Zerfallsprozess zu Ende ist. Man hat ja einfach nur irgendeine messbare Größe eingeführt. Der Zerfallsprozess geht weiter, wenn das Material abbaubar ist."
Hans-Josef Endres

Bei all dem stellt sich ein grundsätzliches Problem: Von außen ist nicht zu erkennen, ob ein Schnipsel aus biologisch abbaubarem Plastik besteht - oder aus ganz normalem. Und genau deswegen sortieren die meisten Kompostierer eben vorsichtshalber alles aus, was wie Plastik aussieht. Und damit eben auch biologisch abbaubares Plastik. 

Beste Lösung - wenig verbrauchen

Kerstin kommt zu dem Ergebnis, dass die beste Lösung eben die Vermeidung von Müll ist. Und den Biomüll, den wir zuhause produzieren, können wir auch einfach in Zeitungspapier einwickeln und in die Tonne schmeißen.

Eine Plastiktüte treibt im Meer
© dpa
Eine Plastiktüte treibt im Meer

Der Fünfpunkteplan der Bundesregierung

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze will aktiv gegen Plastikmüll vorgehen. So sollen beispielsweise Wasserspender an öffentlichen Orten gefördert werden. In einem Fünfpunkteplan gegen Plastikmüll steht, dass es in den Städten überall gut erreichbare Nachfüllstationen für Wasserflaschen geben soll. Der Plan richtet sich auch gegen überflüssige Verpackungen im Supermarkt. Der Handel soll sich selbst dazu verpflichten, Obst und Gemüse nicht unnötig einzupacken. 

Till Opitz
Über die Pläne von Bundesumweltministerin Schulze zur Plastik Trendwende hört ihr in diesem Audio Deutschlandfunk-Nova-Redakteur Till Opitz.

Fast 71 Prozent aller Verpackungsabfälle werden inzwischen recycelt, aber nur rund die Hälfte der Verpackungsabfälle aus Kunststoff wird verwertet, so das Umweltbundesamt.

Wer mehr über das Thema "Müllvermeidung" wissen möchte, findet viele Informationen in unserer Reihe "Ohne Müll - Kerstin will es schaffen"