Die Hochschule für Technik in Berlin hat sich vor gut zehn Jahren Friedrich Wilhelm Beuth als Namenspatron ausgesucht. Dann wurde 2018 bekannt, dass Beuth Antisemit war. Seitdem wird heftig darüber diskutiert, die Hochschule umzubenennen. Unser Landeskorrespondent hat sich an der Hochschule für Technik in Berlin umgehört und erfahren: Ein großer Teil der Professoren und Studierenden hat ein Problem mit ihrem Namensgeber. 

Friedrich Wilhelm Beuth (1781 - 1853) war ein preußischer Beamter aus dem 19. Jahrhundert und der Wegbereiter der Ingenieurwissenschaften. Aber er war eben auch Antisemit: Weil er beispielsweise als Ministerialbeamter die Gleichstellung von Juden verhindert hat. Und weil er 1811 eine antisemitische Rede vor der "Deutschen Tischgesellschaft" gehalten hat – eine Einrichtung, die in der Forschung als extrem judenfeindlich eingeordnet wird.  

Diskussionen an der Hochschule 

Das alles ist allerdings noch gar nicht so lange bekannt. Achim Bühl, Professor an der Hochschule, hat es erst vor ein paar Monaten mehr oder weniger zufällig herausgefunden. Er, viele seiner Kollegen, wie auch der Asta der Uni fordern nun: Beuth muss als Namensgeber der Hochschule verschwinden.

"Ich denke, dass der Antisemitismus von Beuth nicht tragbar ist. Und die Hochschule sollte durch ein klares Statement gegen Beuth auch ein klares Statement gegen Antisemitismus setzen."

Aber nicht alle an der Hochschule sind dieser Meinung, sagt unser Landeskorrespondent Manfred Götzke. Es gebe zum Beispiel Menschen, die der Ansicht seien, dass der Name beibehalten werden solle. Sie begründeten ihre Ansicht damit, dass der Antisemitismus Beuths nicht "so schlimm" gewesen sei: Viele hätten sich damals so wie er geäußert und der Mann habe ja auch seine Verdienste. 

Insgesamt falle der Hochschule die Umbenennung schwer, bestätigt Achim Bühl. Die Diskussionen an der Hochschule sollen nun fortgesetzt werden – eine Entscheidung ist frühstens am Ende des Sommersemesters 2019 zu erwarten. 

"Die Hochschule tut sich auch deshalb so schwer damit, weil hier jahrelang ein Beuth-Kult betrieben wurde: Wir haben hier ein Beuth-Haus, einen Beuth-Saal, eine Beuth-Halle. Mit diesem Beuth-Kult muss, zumindest was den Namen betrifft, Schluss sein."
Achim Bühl, Professor an der Beuth-Hochschule

Wann Namensgeber nicht mehr tragbar sind, ist oft schwer zu sagen, erklärt Manfred Götzke. Einfach ist das im Fall von Nationalsozialisten wie zum Beispiel bei Hitler-, Göbbels- und Göringstraßen. Sie wurden direkt nach dem Zweiten Weltkrieg umbenannt. Und auch bei Straßen, die den Namen von SED-Größen wie Walter Ulbricht oder Wilhelm Pieck trugen, wurde ähnlich verfahren.   

Nicht einfach umbenennen 

Der Antisemitismusforscher Uffa Jensen von der TU Berlin ist der Ansicht, dass es falsch wäre, jede Straße und jede Institution, jede Firma mit problematischen Namen umzubenennen.

"Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass wir diese Geschichte haben und ich finde es auch wichtig, dass es im öffentlichen Raum diese Punkte gibt. Die sind quasi wie Stolpersteine. Wenn man die jetzt alle umbenennen würde, hätte man diese Stolpersteine nicht."

Uffa Jensen sagt, dass es in diesen Fällen wichtig sei, zum Beispiel mit Gedenktafeln an Straßenschildern über antisemitische Einstellung der Namensgeber zu informieren. Eine besonders große Verantwortung hätten hier Bildungseinrichtungen. 

Problematische Namensgeber an Schulen und Unis

Die Dichter der Romantik Achim von Arnim und Clemens Brentano gelten ebenfalls als Antisemiten, so Manfred Götzke. Nach den beiden sind Hunderte Schulen in Deutschland benannt. Für den Umgang mit diesen Namensgebern wünscht sich der Antisemitismusforscher Uffa Jensen eine intensive Auseinandersetzung an der jeweiligen Bildungseinrichtung. Es geht ihm dabei nicht nur um den Teilaspekt des Antisemitismus, sondern auch um einen geweiteten Blick auf die Namensgeber. 

"Ich würde mir wünschen, dass man das zum Teil des Unterrichts macht. Nicht unbedingt nur der problematische Aspekt zu Juden, sondern auch die gegen Franzosen und gegen Slawen. Da gab es damals ja auch viel. Ob man es dann umbenennt, ist dann fast schon wieder zweitrangig.“

Als letztes Beispiel nennt Manfred Götzke die Universität in Greifwald. Sie hatte sich 2018 nach einer zwanzigjährigen Diskussion von ihrem 1933 ausgewählten Namensgeber Ernst Moritz Arndt getrennt. 

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