Die drei Opfer des Anschlags von Salisbury kamen mit einem militärischen Nervengift in Kontakt. Es gehört zu den Kampfmitteln der sogenannten Nowitschok-Gruppe und ist äußerst gefährlich.

Bei dem Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter ist ein Nervengift eingesetzt worden, das aus militärischer Produktion stammt. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Rams hat sich den tödlichen Stoff und seine Geschichte angesehen: 

Der Kampfstoff kommt aus der Gruppe der Nowitschok-Gifte. Die wurden ursprünglich etwa seit den 70er Jahren in Militärlaboren der Sowjetunion entwickelt. Auch in den 90er Jahre wurde in Russland noch daran geforscht.

Die Stoffe zählen zu den gefährlichsten, die jemals von Menschen produziert wurden. Die Nowitschok-Gifte übertreffen vergleichbare Kampfstoffe in ihrer toxischen Wirkung um ein Vielfaches, erklärt der britische Chemiewaffeninspekteur Jerry Smith:

"They may be up to 10 times more toxic than VX."
Jerry Smith, britischer Chemiewaffeninspekteur

Nervengifte dieser VX-Gruppe haben unter den massenhaft hergestellten Giftkampfstoffen die höchste Toxizität. Entdeckt wurden die in den 50er Jahren in Schweden. Der Halbbruder von Kim Yong-Un ist wahrscheinlich mit einem Gift der VX-Gruppe getötet worden. 

Nowitschok-Gifte lähmen die Atmung

Die Wirkung von Kampfstoffen der Nowitschok-Gruppe ist noch verheerender als die von VX-Giften. Falls der Vergiftete nicht zuvor stirbt, können die Schmerzen wochenlang anhalten. Der Kampfstoff stört die Kommunikation zwischen Nerven- und Muskelzellen. Winzige Mengen reichen aus, um Menschen zu lähmen. Ist die Dosierung hoch genug, fällt die Atemmuskulatur aus und das Opfer stirbt.

"Es ist durchaus möglich, dass sich Leute dabei mitvergiftet haben, dass ihre Kleidung noch ein bisschen Kampfstoff enthält."
Ralf Trapp, Toxikologe

Für Attentäter ist von Vorteil, dass die Nowitschok-Gifte in unterschiedlichen Aggregatzuständen, also in fester, flüssiger und gasförmiger Form aufbewahrt und genutzt werden können, erklärt der Toxikologe Ralf Trapp, der lange leitender Mitarbeiter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) war, gegenüber der sich Russland jetzt erklären soll. Dennoch lassen sich Anschläge mit diesen Giften  nicht mit absoluter Präzision durchführen.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen nach Giftanschlag

Auch die Menschen in der Umgebung des Anschlagsziels können durch kleinste Giftmengen gefährdet werden. Deswegen haben die britischen Behörden all jene Menschen aufgefordert, ihre Kleidung zu reinigen, die sich in der Nähe von Sergei Skripal und seiner Tochter aufgehalten haben.

Die beiden Anschlagsopfer befinden sich derzeit auf der Intensivstation eines britischen Krankenhauses. Auch ein britischer Polizeibeamter kam mit dem Gift in Kontakt und befindet sich in medizinischer Behandlung (Stand 13. März 2018).

Der Fall zieht diplomatischen Streit zwischen Russland und Großbritannien nach sich. Darüber haben wir mit unserem Korrespondenten in London gesprochen (Stand 14. März). 

Friedbert Meurer, Korrespondent in London
"Eine Sofortmaßnahme ist, dass 23 russische Diplomaten ausgewiesen werden sollen. Die zweite Gruppe der Sanktionen sind Finanzsanktionen."
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