Massive Attacks Album "Mezzanine" soll es auch in Hunderten Jahren noch geben. Darum lässt die Band es jetzt auf DNA speichern. Beauftragt ist Robert Grass von der ETH Zürich. Er erklärt uns, wie das funktioniert, und warum er die Idee toll findet: Menschliches Erbgut als Speichermedium.

Robert Grass vom Institut für Chemie an der ETH Zürich bekam eine Mail: "Ob es für den 20. Geburtstag des Albums möglich wäre, es auf DNA zu speichern", hat das Management von Massive Attack ihn gefragt. Das geht tatsächlich, denn anders als wir denken, steckt die DNA nicht nur im Menschen - man könne sie auch "fremdnutzen", sagt Grass.  

DNA als Speichermedium der Zukunft

"Man kann die DNA auch außerhalb des Körpers chemisch synthetisieren und nicht biologische Informationen speichern."

Wie aber kommt nun die Musik auf die DNA? Das ist ziemlich kompliziert, erklärt Grass. Er beginnt mit der digitalisierten Musik, die aus Nullen und Einsen besteht. Die DNA wiederum besteht aus einer Abfolge von vier chemischen Bausteinen A, C, G und T. Die Nullen und Einsen werden nun in Sequenzen von A, C, G und T übersetzt und chemisch synthetisiert: "Das heißt, Millionen von Molekülen, die eine bestimmte chemische Sequenz haben, werden dann in einem Roboter hergestellt." Auf dieser DNA - den Molekülen - ist dann die Information der Musik gespeichert. 

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Ungefähr einen Monat lang wird es dauern, bis das Projekt ganz abgeschlossen ist. Am Ende wird Robert Grass ein paar Mikrogramm eines weißen Pulvers in der Hand halten. Die Bandmitglieder von Massive Attack wollen das Pulver in Farbstoffe für Gemälde oder Graffitis mischen. Sänger Robert Del Naja ist auch Künstler aktiv. "Die DNA ist dann in diesem Bild drin - und somit ist auch die Musik in diesem Bild drin", sagt Robert Grass.

"Es steckt eine Zukunft dahinter"

Musik von einer DNA hören, das können wir aber so schnell nicht. Die Technologie stehe noch am Anfang, sagt der Wissenschaftler. Es gibt aber in großen klinischen Laboren Apparate, die die Musik aus der DNA herauslesen können. Grass glaubt an die Zukunft der DNA als Speichermedium:

"Man weiß, dass die Technologien, die man momentan verwendet, um Daten zu speichern, die können nicht dauernd verbessert und beschleunigt werden. Deshalb schaut die IT-Industrie in die Biologie, welche Methoden sie entwickelt hat, um Informationen langfristig zu speichern."
Robert Grass, Institut für Chemie und Bioingenieurswissenschaften an der ETH Zürich
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In einem Gramm DNA können 100 Millionen Terabyte gespeichert werden. Theoretisch. Das ist aber vor allem für große Unternehmen relevant und kein Ersatz für unsere privaten Festplatten. "Da muss sich die Technologie noch deutlich weiterentwickeln, dass DNA als allgemeines Speichermedium Akzeptanz finden wird."

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