Meditationen, Yoga, Spaziergänge – die meisten von uns werden ihre eigene Technik haben, um mit Stress umzugehen. Aber es gibt auch diese Momente, in denen der Blick in den Kalender uns Panikattacken beschert: so viel zu tun! Wie sollen wir das bloß schaffen? Forschende testen derzeit eine Spritze, die helfen soll, den Stress einfach ausschalten.

Der Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt, dass man beim Stress – besser als bei vielen anderen Reaktionen des Körpers – sagen kann, wo er genau entsteht: Das Großhirn aktiviert den Hypothalamus, der wiederum aktiviert die Hirnanhangdrüse. "Und da werden dann Steuerhormone ausgeschüttet, die dich Stress fühlen lassen", sagt Henning Beck. Wir fühlen dann, dass der Puls hochgeht oder manche von uns bekommen auch schwitzige Hände.

"Ketamin ist ein Arzneistoff, der verwendet wird, um Menschen zu betäuben."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Der Stoff, der nun gespritzt werden und helfen soll heißt Ketamin. Der Neurowissenschaftler erklärt, dass Ketamin eigentlich eingesetzt wird, um zu betäuben. Es ist auch bekannt, dass es bei Depressionen positive Wirkung zeigen kann: "Es vermindert zum Beispiel depressive Symptome", sagt Henning Beck.

Die Idee ist nun, Ketamin vor einer stressigen Situation zu spritzen, damit es den Körper ein wenig beruhigt. Dabei geht es allerdings weniger um eine stressige Prüfung, die bevorsteht, sondern eher um Notfallsituationen, in denen Menschen einen klaren Kopf bewahren sollten.

Lernen, mit Stress umzugehen

Der Neurowissenschaftler sagt, dass es allerdings schwierig ist, mit dem Ketamin nur bestimmte Funktionen auszuschalten, denn schließlich ist im Gehirn alles miteinander verbunden. Das Ketamin schaffe es aber ganz gut, die Funktion der Hirnanhangdrüse zu unterdrücken, also die Produktion von Stresshormonen.

"Stress führt dazu, dass man fokussierter, aufmerksamer ist."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass Stress nicht in jedem Fall negativ ist. Stress hat auch die Aufgabe, dass wir in bestimmten Situationen – unter Druck – maximale Leistung bringen. Stresshormone bringen uns dazu, mit hoher Konzentration zu arbeiten. Wenn wir den Stress also eindämmen, dann bringen wir auch keine Leistung mehr, so Henning Beck. Wichtig sei es, eine Balance zu finden.

Stress wird bei Menschen auch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Manche lassen sich schnell stressen, andere seien dann etwa besser darin, Stress umzudeuten und etwas Positives darin zu sehen. Spitzensportler zum Beispiel oder Musiker. Wenn ihnen vorher gesagt wird: Stress ist nicht schlimm, es hilft dir, bessere Leistung zu bringen, dann gehen sie damit möglicherweise auch ganz anders um.