Rauchverbote in der Gastronomie und in öffentlichen Gebäuden gibt es ja in Deutschland schon länger - einige Städte in den Niederlanden gehen aber noch einen Schritt weiter: Sie versuchen überall rauchfrei zu werden. Vorreiter ist Groningen.

Das Rauchverbot in Groningen gilt schon bei Organisationen oder Unternehmen, die freiwillig mitmachen. Einige Kneipen in der Stadt haben auch ihre Außenflächen freiwillig für rauchfrei erklärt und der Fußballverein FC Groningen hat für die Familientribüne ebenfalls ein Rauchverbot ausgesprochen. 

Die gesamte Stadt wird erst mit der Zeit, also in einigen Jahren, ganz rauchfrei sein. Soweit der Plan. Der Suchtmediziner Robert van der Graaf ist einer der Initiatoren dieses Rauchfrei-Projekts für Groningen. In einem Youtube-Video erklärt er, dass er vor allem Kinder zu Nichtrauchern erziehen will.

"Ich will nicht, dass meine Kinder anfangen zu rauchen. Ich mache alles dafür, dass sie diese Sucht nicht entwickeln."

Die Kinder sollen, wenn es nach Robert van der Graaf geht, in Groningen aufwachsen, ohne überall Zigaretten und rauchende Erwachsene zu sehen. Ohne solche rauchenden Vorbilder würden dann auch weniger Kinder später mit dem Rauchen anfangen.

Rauchverbot an Unis und Krankenhäusern

Auch viele Schulen, Krankenhäuser und die beiden Unis der Stadt machen mit bei dem Projekt. Die Rauchverbote gelten dabei aber nicht nur in den Gebäuden, sondern zum Teil auch drum herum. An den Hauswänden hängen dann Schilder, die auf das Rauchverbot hinweisen sollen. Richtig großflächig setzt das Verbot die Uni-Klinik in Groningen um. Diese steht auf einem sehr großen Gelände und dort ist seit diesem Jahr fast überall das Rauchen verboten. Ausnahmen sind hier nur einige Raucher-Kabinen. 

Malte Borggrewe arbeitet und forscht als Doktorand der Neurowissenschaften an der Uni-Klinik Groningen. Er findet dieses großflächige Verbot gut. Besonders die Patienten, die vor der Klinik spazieren gehen, würden davon profitieren.

"Ich finde an Krankenhäusern macht es Sinn, weil Patienten, die spazieren gehen, dann nicht durch eine Rauchwolke müssen."
Malte Borggrewe, Uni-Klinik Groningen

Aber so ein Verbot greift auch stark in die persönlichen Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger ein. Darum sei auch noch unklar, ob diese Vorschrift wirklich nach niederländischem Recht machbar ist, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Die Gemeinde Groningen will trotzdem bald solche Rauchverbotszonen rund um die Organisationen, die jetzt schon bei der Rauchfrei-Aktion mitmachen, auf öffentlichen Straßen und Bürgersteigen einführen. 

Auch im Umkreis von Schulen, Unis oder Krankenhäuser soll das Verbot greifen. In Rotterdam gab es ähnliche Pläne, aber dort fehlt im Moment die rechtliche Grundlage dazu.

Einige Kneipen-Besitzer machen freiwillig mit und verbieten ihren Gästen auch draußen in den Außenbereichen das Rauchen, aber der niederländische Gastronomie-Verband ist dagegen, dass auch vor den Kneipen ein Verbot kommen soll.

Mehr zum Thema:

  • Auf dem Weg zum Nichtraucher-Land  |   Bis zum Jahr 2030 könnte Großbritannien rauchfrei sein.
  • Geld fürs Nichtrauchen  |   Ärzte in Berlin wollen schwangere Raucherinnen mit Belohnungen zum Aufhören bewegen.
  • Deutschland, Land der Tabakwerbung  |   Laut einer Umfrage wünschen sich rund 69 Prozent der Deutschen ein umfassendes Verbot für Tabakwerbung. Trotzdem gibt es sie noch in Deutschland, gerade Außenwerbung – das ist sonst anders in der Europäischen Union.