Die neue Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland sorgte für Streit. Deutschland will das Projekt unbedingt, andere Ländern fürchten die Abhängigkeit von Russland. Jetzt wurde ein Kompromiss gefunden.

Die Streit innerhalb der EU zu Nord Stream 2 ist beigelegt - die EU-Staaten haben sich in Brüssel auf einen Kompromiss geeinigt. Europa hat nun eine gewisse Kontrollmöglichkeit über die Gas-Pipeline. Einigen Ländern - auch Frankreich - war das wichtig, denn in Brüssel fürchtet man die Abhängigkeit von Russland.

Die Einigung in Brüssel sieht eine Änderung der EU-Gasrichtlinie vor: Es soll zwar strengere Auflagen für die Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland geben, als bisher vorgesehen. Gleichzeitig soll aber sichergestellt werden, dass das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann. 

Beschlossen wurde, dass die Zuständigkeit für Pipelines mit Drittstaaten wie Russland grundsätzlich bei dem EU-Land liegt, wo die Leitung erstmals auf das europäische Netz trifft. Im Fall von Nord Stream 2 ist das Deutschland.

Julia Demming, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
"Der Bau von Nord Stream 2 wird definitiv weitergehen."

Die EU behält sich vor, mitzubestimmen, wie das Projekt realisiert wird. Dieser Punkt ist vor allem für Frankreich entscheidend gewesen: "Die Abhängigkeit vom russischen Gas machte uns Sorgen", erklärte ein Mitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron. "Deshalb war für uns eine europäische Kontrolle wichtig."

Die Ostsee-Pipeline Nord-Stream verläuft vom russischen Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald. Sie ist 1224 Kilometer lang. Nord Stream 2 wird neben der bestehenden Pipeline gebaut. Mehr als 600 Kilometer sind bereits verlegt. Baubeginn war im Sommer 2018, Ende 2019 soll die neue Pipeline fertig sein.

Wir brauchen mehr Gas

Nord Stream 2 wird gebaut, weil wir in Deutschland künftig mehr Gas brauchen werden als bisher: Der Kohleausstieg und die Energiewende machen Gas zu einer noch wichtigeren Alternative. "Man erhofft sich Versorgungssicherheit für die nächsten Jahrzehnte", sagt Andreas Meyer-Feist, ARD-Korrespondent in Brüssel. Schon jetzt ist Russland unser wichtigster Gaslieferant - gefolgt von Norwegen und den Niederlanden. Künftig wird Russland rund 50 Prozent liefern.

"Klar ist, dass das Gas-Geschäft ein zentraler Baustein in Putins Machtsystem ist."
Andreas Meyer-Feist, ARD-Korrespondent in Brüssel

Kritiker befürchten, dass sich Deutschland mit der Pipeline zu stark von Russland abhängig macht. Putin nutze alle Gelegenheiten, um über Gas ins Geschäft zu kommen, sagt Andreas Meyer-Feist. Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder rühre da kräftig die Werbetrommel.

USA wollen Flüssiggas verkaufen

Einer der Hauptkritiker sind die USA. Doch auch denen ginge es nicht nur um den politischen Gegner Russland, sondern auch ums Geschäft, erklärt unser Korrespondent: "Die haben Flüssiggas, das kann man über Schiffe nach Europa transportieren. Und die Amerikaner wollen natürlich auch ein Geschäft damit machen."

Die in der Schweiz ansässige Projektgesellschaft Nord Stream 2 gehört dem russischen Gazprom-Konzern. An der Finanzierung beteiligen sich auch europäische Konzerne, etwa die BASF-Tochter Wintershall. Über 670 Unternehmen sind an dem Projekt beteiligt - sie kommen laut eines Gazprom-Sprechers aus 25 Ländern in Europa. Die Gesamtkosten für die Pipeline belaufen sich auf rund zehn Milliarden Euro.

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