Influencer heißen so, weil sie oft auch Vorbilder sind. Manche ihrer Diättipps sollten ihre Fans aber mit Vorsicht genießen.

Sophie Prana ist 35 Jahre alt und lebt ein perfektes Instagram-Leben: Die Österreicherin ist Yoga-Lehrerin, verbringt ihre Zeit anscheinend nur in den Alpen, auf Kreta, in Portugal oder in Marokko. Dort macht sie viele schöne Bilder von netten Landschaften – und von sich selbst. Sie veröffentlicht ihre Aufnahmen dann im Netz. In einem YouTube-Video erzählt sie, dass sie seit über einem Jahr kein Wasser mehr getrunken hat.

Sie meint, das entschlacke, ihre Haut werde klar und rein, Leber und Nieren fingen wieder an, richtig zu arbeiten und sie verspricht, dass sich die Sehkraft verbessere.

Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm warnt ausdrücklich vor Wasserfasten. Mit sehr vielen Smoothies lasse sich dem Körper möglicherweise ausreichend Flüssigkeit zuführen. Ihr fehlen bei dieser Mangelernährung aber die Fette und das Eiweiß. Für den Blutzuckerspiegel wären die vielen Smoothies eine echte Herausforderung.

"Der Mensch hält viel aus, muss ich dazu sagen. Und natürlich kann man das einigermaßen hinkriegen, wenn man sehr viele Smoothies macht."
Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin

Es gibt eine Menge Food-Influencer, die Ernährungstipps abgeben, die nicht gerade wissenschaftlich untermauert sind. Eine kurze Recherche im Internet muss reichen, dann kann man erzählen, was den Körper fit, die Muskeln stark, den Kopf schlau oder die Augen strahlend macht.

Ein Fitness-Influencer behauptet beispielsweise, dass Leute, die Muskeln aufbauen wollen, mindestens zwei Gramm Eiweiß pro Kilogramm eigenem Körpergewicht zu sich nehmen sollen. Dagmar von Cramm empfiehlt noch nicht einmal die Hälfte: 0,8 Gramm pro Kilo Körpergewicht. "Wenn ich dem Influencer also folge, dann bekomme also viel zu viele Proteine ab", sagt sie.

"Also, es wird nie sofort etwas Dramatisches passieren, aber die Folgen von einer einseitigen Ernährung, die merke ich vielleicht in zwanzig oder in dreißig Jahren."
Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin

Folgen einseitiger Ernährung können nach Jahrzehnten Nierenleiden sein, weil die Organe überlastet sind, warnt die Ernährungswissenschaftlerin. Wer sich zu sehr auf Eiweiße konzentriert, vernachlässige den Bedarf des Körpers an anderen Nährstoffen.

Nachlesen kann helfen

Der positive Anfangseffekt bei radikalen Diäten entstehe vielleicht auch dadurch, dass schlechte Essgewohnheiten abgestellt werden, vermutet Dagmar von Cramm. Wer auf Nummer sich gehen will, sollte bei Ernährungsempfehlungen grundsätzlich die Quellen lesen und sich ein detaillierteres Bild machen – auch bei Diätempfehlungen von Influencern.

"Wenn die Leute sagen: Ich fühle mich aber jetzt viel besser als vorher, dann deswegen, weil sie sich jetzt ganz anders um sich kümmern."
Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin