Niemand hätte gedacht, dass es eine weltweite Pandemie gibt mit Grenzschließungen und Ausgangssperren. Niemand? Solche Szenarien wurden schon durchgespielt – zum Beispiel im vergangenen Jahr in New York.

Es war ein kleiner erlesener Kreis von Teilnehmern, der sich im Oktober 2019 in New York beim "Event 201" getroffen habe, um für einen Tag das Szenario einer Pandemie durchzuspielen, berichtet der Journalist Jürgen Döschner. Dazu eingeladen hatte das Johns Hopkins Center for Health Security, zusammen mit dem Weltwirtschaftsforum und der Bill-Gates-Stiftung.

Mit dabei waren rund ein Dutzend Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreter, Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde, Abgesandte der Vereinten Nationen - auch aus China - und auch ein Vertreter der Deutschen Lufthansa.

Szenario mit Coronavirus

Bei dem Planspiel sei es darum gegangen, das Szenario einer Pandemie so realistisch wie möglich zu simulieren. Unter anderem wurde eine Nachrichtensendung nachgestellt, in der verkündet wurde, dass ein Virus von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen sei – ein Coronavirus, das leichte Grippesymptome hervorrufe, sich dann aber zu einer gefährlichen Lungenentzündung entwickeln könne, so Döschner. Durchgespielt wurde dann die Ausbreitung des Virus, für das es keinen Impfstoff und keine wirksamen Medikamente gibt.

"Dieses Virus sei dann auch von Mensch zu Mensch übertragbar, breitet sich aus, es gibt keinen Impfstoff und kein Medikament dagegen. Das kommt uns heute ziemlich bekannt vor."
Jürgen Döschner, Journalist

Die Experten hätten den Verlauf von ein bis zwei Wochen simuliert und diskutiert, welche Maßnahmen für welche Bereiche nötig und möglich seien.

Gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker

Das Planspiel mit einem Coronavirus ist für Verschwörungstheoretiker Wasser auf die Mühlen, die etwa behaupten, dass das Virus bewusst in Umlauf gebracht wurde. Doch es gebe wissenschaftliche Gründe, warum sich die Experten für ein Coronavirus entschieden hätten, sagt Döschner. So haben Varianten des Coronavirus bereits in der Vergangenheit den Weg vom Tier zum Menschen gefunden.

"Es gibt eine wissenschaftliche Basis, dass man ein Coronavirus genommen hat. Die Varianten des Virus und der Weg vom Tier zum Menschen, ist in der Vergangenheit schon vorgekommen."
Jürgen Döschner, Journalist

Und so habe man sich beim "Event 201" darauf geeinigt, dass, wenn es zu einer Pandemie komme, es mit dem Übertragungsweg Tier zu Mensch zu tun haben müsse. Nur seien die Gefahr und das Ausmaß unterschätzt worden. Grenzschließungen aller Länder oder die Einstellung des Flugverkehrs etwa seien in dem Planspiel nicht vorgekommen. Hier habe die Wirklichkeit die Wissenschaftler eingeholt, so Döschner, obwohl die sich eigentlich sehr gut auskennen würden.

Wir hätten besser vorbereitet sein können

Schon in der Vergangenheit habe es Studien und Planspiele zu Pandemien gegeben, deswegen hätten wir besser darauf vorbereitet sein können, meint Jürgen Döschner.

"Wir hätten auf jeden Fall besser vorbereitet sein können. Das haben andere Planspiele und Studien ja auch schon gezeigt"
Jürgen Döschner, Journalist

Allerdings meint Jürgen Döschner, sei die Gefahr einer Pandemie allgemein unterschätzt worden. Sie sei eine Katastrophen-These gewesen, so wie der Einschlag eines großen Meteoriten – theoretisch denkbar, aber relativ unwahrscheinlich. Döschner rät, die Warnungen von Wissenschaftlern vor möglichen Gefahren zukünftig besser mit dem Faktor zwei zu multiplizieren statt zu teilen.

Diesen Fehler hätten wir schon im Fall von Fukushima gemacht. Die Wirklichkeit sei oft schlimmer als das, was wir uns in den Studien und in der Theorie ausgedacht hätten.