Einmal durch Europa von Trondheim bis nach Porto, den kompletten Jakobsweg entlang. Das war die große Pilgerreise von Svenja und Witali. Und für sie beide war klar: Entweder läuft der Trip gut. Oder richtig schlecht. Dazwischen gibt es nichts. Das war ihre Beziehungsbeschleunigungs-Autobahn.

Viel haben sie nicht gebraucht für ihre Pilgerreise quer durch Europa. Taschenmesser, Essen, Kleidung und den Schlafsack. Svenja Trenkel und Witali Bytschkow waren schon seit anderthalb Jahren ein Pärchen und auf ihre Europareise hatten sie schon lange Lust. Und zwar auf die komplette Tour, von Skandinavien bis in den Süden Europas. Die monatelange Reise wurde zur Beziehungsprobe.

"Wenn unsere Beziehung diese Zeit nicht übersteht, dann soll es eben so sein."

"Bisher waren wir eigentlich nicht die Hardcore-Wanderer", stellt Svenja fest. Zwei Tage Wandern in der Eifel oder im Karwendelgebirge, mehr nicht. Und auch wenn sie beide recht sportlich sind, war ihnen klar: Das wird eine anstrengende Reise, viel Nähe, kleines Zelt. "Wir hatten beide Respekt davor", sagt Svenja.

"Die ersten 150 Kilometer hatten wir Blasen an den Füßen. Da kommst du einfach nicht weg von. Da musst du durch - und dann hast du keine Probleme mehr."

Witali ist schnell in die Rolle des Reiseführers geschlüpft. Er hatte das GPS dabei, hat sich eine Route herausgepickt, Svenja ist hinterher gelaufen. Sie hatten Musik oder Podcasts im Ohr, viel Ablenkung gab es nicht. Dafür viel Zeit zum Reden und zum Schweigen, 2600 Kilometer lang. Da lernt man neue Seiten des Partners kennen. "Das ist interessant, spannend und schön", sagt Svenja. "Manchmal auch ein bisschen nervig. Aber man lernt damit umzugehen." 

Vor ihrer Reise haben Svenja und Witali mit Freunden und Bekannten gesprochen. Es gab viele Warnungen und viele meinten, dass solch ein Trip mit ihrem Partner nicht möglich sei. Aus Angst, sie würde an der Intensität des Beisammenseins zerbrechen. "Aber jede Beziehung muss sowas aushalten", sagt Witali. Die lange Reise wurde zu ihrer Beziehungsbeschleunigungs-Autobahn.

"Akzeptiert die Ecken und Kanten eures Partners. Seid geduldig mit euch und eurem Partner. Und haltet Abstand ab und zu!"

Auf ihrer Autobahn waren sie nicht immer Händchen haltend unterwegs. "Es gab Momente, wo wir nebeneinander gelaufen sind", sagt Svenja. Dann aber war sie vorne, dann wieder Witali, ab und zu haben sie sich anderen Gruppen angeschlossen, dann gab es wieder Tage, an denen sie überhaupt keine anderen Menschen getroffen haben. Das war dann viel gemeinsame Einsamkeit. Und sie haben gespürt: Alles ist gut.

"Ich wollte mich auf ganz wenige Sachen reduzieren. Ich habe auf dem Weg gemerkt, es funktioniert und befreit, das Zuhause auf dem Rücken zu tragen."

Im August ging es los in Trondheim. Dann mit Flugzeug nach Frankreich, mit Bus nach Lyon und dann komplett zu Fuß weiter bis nach Porto. Am 23. Dezember hatten sie ihr Ziel erreicht. Und die Wanderung hat sie zusammengeschweißt. 

Doch eine Trennung gab es trotzdem. Svenja hat gemerkt, dass sie gar nicht viel zum guten Leben braucht. Zuhause hat sie als erstes ihren Fernseher rausgeschmissen.

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