Projekte wie Ocean Cleanup wollen den Plastikmüll im Meer einsammeln. Die Forscherin Melanie Bergmann sagt: Lieber nicht. Sie hat einen anderen Vorschlag.

Plastikmüll aus dem Meer zu entfernen, ist fast nie eine gute Idee, sagt Melanie Bergmann, die am Helmholzzentrum für Polar- und Meeresforschung zu Tiefseeökologie und -technologie in Bremerhaven forscht. Ausnahmen wären lediglich Strände und Flussufer, an denen es sinnvoll ist, Müll maschinell oder per Hand einzusammeln. Überhaupt könnte man mehr Wert auf die Reinigung von Flussufern legen, denn viel Müll gelangt über die Flüsse in die Meere.

Ocean Cleanup: Ökologischer Schaden könnte größer als Nutzen sein

Bergmanns Einwand kommt zu einer Zeit, in der Projekte wie "Ocean Cleanup" (das zurzeit nicht funktioniert) oder "One Earth One Ocean" auf der ganzen Welt Aufmerksamkeit erregen - wohl auch, weil sie Hoffnungen schüren, das Problem mit dem Plastikmüll in den Weltmeeren doch noch irgendwie in den Griff zu bekommen.

Melanie Bergmann ist überzeugt: Das alles werde nicht funktionieren. Jedenfalls nicht so, wie es versprochen wird. Ihre Zweifel begründet sie so:

  • Jedes Gerät, das im oder auf dem Wasser Müll einsammelt, sammelt gleichzeitig auch immer Tiere und Pflanzen ein, die sich im Oberflächenbereich aufhalten. Betroffen davon sind zum Beispiel Schnecken, kleine Quallen und Großalgen. Zwar könnte eingesammelter Müll am Ende andere Tiere wie etwa Wale nicht mehr schaden - "am Ende", sagt sie, "könnte das Einsammeln von Müll im Meer aber einen insgesamt größeren ökologischen Schaden verursachen als Nutzen bringen."
  • Zudem würde der meiste Müll schnell absinken - sodass er gar nicht mehr eingesammelt werden kann.
  • Und: Müll, der an der Oberfläche eingesammelt wird, hat über die Zeit Salz angenommen. Es sei also fraglich, ob er recyclingfähig ist, sagt Bergmann. Die Frage ist also: Wohin damit?
"Wir müssen weniger Plastik verwenden und mehr recyceln."
Melanie Bergmann, Helmholzzentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, forscht zu Tiefseeökologie und -technologie

Bergmanns Hoffnungen, dass sich das Meer irgendwann vom Müll erholt, beruhen auf der Annahme, dass sich der Plastikmüll sehr langfristig am Meeresgrund zersetzt. Belege dafür gebe es dafür zurzeit aber nicht, sagt Bergmann.

"Aktuell können wir nur noch dafür sorgen, dass das Problem Plastikmüll in den Meeren nicht noch größer wird", sagt sie. Sie hat konkrete Forderungen an die Politik und verweist auf andere Länder wie Indien, Kenia und Ruanda, die sie zumindest in Teilen schon umgesetzt hätten:

  • Insgesamt weniger Plastik benutzen
  • Jede Verpackung prüfen, ob sie wirklich aus Plastik sein muss oder ob es sinnvolle Alternativen gibt
  • Die Verwendung von Verbundmaterialien sowie schwarzer und farbiger Kunststoffverpackungen erschweren - diese sind schwieriger zu recyceln als sortenreine und transparente
  • Mikroplastik überall dort verbieten, wo es nicht unbedingt einsetzt werden muss

Melanie Bergmann fordert "harte Vorgaben" von der Politik. Sie sieht hier sie und weniger die Verbraucher in der Verantwortung.

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