Diese Woche ist der Grünen-Politiker Robert Habeck aus Twitter ausgestiegen - Er war von dem massiven Datenklau betroffen und hatte einen Shitstorm am Hals. Politikwissenschaftler Marcel Solar findet seine Entscheidung vorschnell. Politikern muss klar sein, was sie von den Kanälen wollen, die sie nutzen, und wie sie funktionieren. 

Zum Teil kann Marcel Solar Robert Habecks Entscheidung, Twitter den Rücken zu kehren, schon verstehen – immerhin war er von dem massiven Datenklau Anfang des Jahres betroffen. Aber der Verweis auf das Thüringen-Debakel findet er strittig. Denn damit beschneide der Politiker seine Kommunikationsmöglichkeiten zu Wählerinnen und Bürgern. 

"Robert Habeck macht da einen Kanal zu Wählerinnen und Wählern und Bürgerinnen und Bürgern zu."
Marcel Solar, Politikwissenschaftler

Man müsste Kritik schon auch mal aushalten, findet er. Robert Habeck hätte auch andere Konsequenzen ziehen können – nämlich seine Social-Media-Aktivitäten stärker überdenken und das Medium Twitter ohne Polemik nutzen. Und damit auch von seinen Vorteilen profitieren: Nämlich, dass das ein sehr direkter und ungefilterter Kanal ist, auf dem man authentisch rüberkommen kann und ohne Umwege über Redaktionen, ohne Zeitbeschränkungen durch redaktionelle Abläufe, viele Menschen erreicht.

Politikern muss das Ziel ihrer Social-Media-Aktivitäten klar sein

Das ist für Politiker eine Herausforderung, so Marcel Solar. Sie könnten heute noch viel weniger als früher abschalten. Aber es sei eben auch eine Chance: Richtig genutzt könnten diese sozialen Kanäle eben gute Instrumente für Politiker sein. Richtig heißt für den Politikwissenschaftler zum Beispiel: 

  • sich bewusst sein, dass das Gepostete viele Menschen sehen
  • sich bewusst sein, dass auch Journalisten das Gepostete lesen
  • vorsichtig sein
  • soziale Medien nicht nur als Abschussrampe für Pressemitteilungen nutzen
  • in den Dialog mit den Usern treten
  • soziale Medien als Feedback-Instrument nutzen 

Wenn Politiker diese Kanäle nutzen, so Marcel Solar, sollten sie sich erst mal gründlich Gedanken machen, was sie damit überhaupt wollen - etwa: Will ich polarisieren? Will ich ironisch sein? Will ich jüngere Zielgruppen erreichen? Oder will ich Fakten rüberbringen?

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