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Donald Trump zeige Liebe für seine Anhänger und Hass für die Demokratie. Politologin Natascha Strobl erläutert Strukturen und Strategie von Trumps jüngsten Videobotschaften.

Donald Trump hat recht lange gewartet, bis er auf den Angriff seiner radikalisierten Anhängerinnen und Unterstützer auf das Kapitol reagiert hat. In seinem kurzen, etwa einminütigen Statement stehen die wichtigen Aussagen zu Beginn und am Ende. Die Aufforderung, die Gewalt zu beenden und nach Hause zu gehen, steht in der Mitte.

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Hinweis: Die kurze Rede ist auf Donald Trumps Twitteraccount nicht mehr aufrufbar. Twitter hat sie wegen Falschbehauptungen gesperrt. Deswegen zeigen wir sie oben mit einem Kommentar des Journalisten David Begnaud.

Diese zentrale Position der Aufforderung zum Rückzug bewirkt, dass diese Botschaft von Zuschauenden als unbedeutendste wahrgenommen wird: Sandwich-Rhetorik nennt sich das. Bei Verkaufsgesprächen wird auf diese Weise der Preis rhetorisch versteckt, in der Personalführung lässt sich Kritik sandwichartig zwischen zwei lobenden Aussagen verstecken.

"Das ist die berühmte Sandwich-Methode, das was am Anfang und was am Schluss ist, merkt man sich. Alles, was so ein bisschen unangenehm ist, packt man dazwischen."
Natascha Strobl, Politologin und Autorin
Öffentlich bei Twitter: Donald Trumps Videobotschaft vom 06.01.2021
© imago images | UPI Photo | Shawn Thew
Ausschnitt aus Trumps Videobotschaft

Natascha Strobl hat die Sprache und den Inhalt von Donald Trumps kleiner Ansprache analysiert. Sie beschäftigt sich intensiv mit Sprache und Politik. Ihr Fokus liegt auf der extremen Rechten, insbesondere den Identitären.

Am Anfang seiner Botschaft wende Donald Trump sich an seine Getreuen, als rede er mit Kindern. Eine Distanzierung von ihren Taten bleibe aus. Die Botschaft sei: "Der findet es schon richtig, richtig gut so, dass das passiert."

"Er nimmt die Gefühle der Menschen, die das Kapitol gestürmt haben, auf und legitimiert sie und sagt: Ich verstehe das."
Natascha Strobl, Politologin und Autorin

Hier zeige sich, dass der Trumpismus eine Ideologie ist, die nicht kompatibel sei mit der Demokratie, wie wir sie kennen. Nach etwa einem Viertel der Videobotschaft fordert Donald Trump zwar Empathie, aber ausdrücklich nur für die Sicherheitskräfte. Natascha Strobl hebt hervor, dass der amtierende US-Präsident hier die Opfer der Gewalt, also Kongressabgeordnete beider Parteien, ausschließt.

"Für Abgeordnete hat er keine Empathie, weil das natürlich der Gegner ist."
Natascha Strobl, Politologin und Autorin

Implizit fordere er zu weiterer Gewalt auf. Er stachele seine Anhängerinnen und Anhänger regelrecht an. Natascha Strobl sagt: "Er bleibt weiter bei diesem Vorwurf, der eine Lüge ist, dass diese Wahl gestohlen wurde. Es ist ein ganz starkes Gefühl, wenn jemand einem etwas stiehlt. Damit facht er auch weiter diese Wut an."

Unzufriedene werden zu Helden

Für Menschen, die sich von den Umständen – der Covid-19-Pandemie beispielsweise – getrieben fühlen, sei Donald Trumps Rhetorik der Wut schon sehr attraktiv, findet Natascha Strobl. Zur Unzufriedenheit komme dann die Suche nach einem Schuldigen. Sei der erstmal gefunden, könne jedermann Held der eigenen Geschichte sein.

"Wenn jemand sagt: Gemeinsam zeigen wir es denen, die an allem schuld sind. Dann machen das Leute, weil sie in ihrer Wut gepackt werden, weil sie Schuldige gefunden haben."
Natascha Strobl, Politologin und Autorin

Wie deutlich er zum Handeln auffordern kann, hat der US-Präsident in seiner Ansprache vor dem Sturm auf das Kapitol gezeigt. Unten ist der entsprechende Zeitpunkt der Rede zu sehen. Das Trump-Wahlkampf-Unternehmen Right Side Broadcasting Network hat sie vollständig veröffentlicht.

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