Für vielbeschäftigte Menschen ist es eigentlich unrealistisch, Zeit für völlig fokussierte Arbeit zu finden. Es gibt jedoch Methoden, mit denen wir die begrenzte Zeit für "Tiefenarbeit" optimieren können.

Heute ist Samstag – also meist eher ein Tag, an dem es nicht so viel zu tun gibt wie unter der Woche. Da müssen viele von uns unzählige Dinge irgendwie unter einen Hut kriegen – und trotzdem für bestimmte Tätigkeiten eine hohe Konzentration aufbringen.

Effizienz unter Druck

Wenn wir unter Druck mit wenig Zeit effektiv arbeiten müssen, geht unser Gehirn in eine Art "Überlebensmodus", erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck. Es schüttet Botenstoffe aus, die vergleichbar wirken wie ein Fotofilter auf Instagram: Sie erhöhen den Kontrast.

"Unser Gehirn schüttet Botenstoffe aus, die wirken wie ein Fotofilter auf Instagram: Sie erhöhen den Kontrast – und wir werden fokussierter."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Die Botenstoffe ändern also nicht, was wir tun müssen, aber wie wir es tun. Wir werden engstirniger und fokussierter, schweifen weniger ab. Wenn es zu viel wird, können wir allerdings auch so verkrampfen und derart unter Stress stehen, dass wir die Aufgaben gar nicht mehr erledigen können.

Immer effizienter zu werden im Job oder an der Uni, ist dabei nicht unbedingt das Ziel. Was sich für uns lohnen könnte: Unsere Kräfte besser einzuteilen, sodass wir
abends nicht völlig geschafft ins Bett fallen.

Das Gehirn ist kein Roboter

Das Gehirn ist aber keine Maschine, kein Roboter, bei dem wir einfach nur aufs Gas treten müssen nach dem Motto "Viel hilft viel", sagt Henning Beck. Wir müssten die Kräfte unseres Gehirns und unseres Denkens vielmehr so einteilen, dass wir am Ende ein maximales Ergebnis bekommen.

"Unser Gehirn kann nicht den ganzen Tag lang gleich gut durchfunktionieren."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Ein wichtiger Punkt dabei: Wir denken nicht immer gleich gut, unser Gehirn kann nicht den ganzen Tag lang gleich gut funktionieren. Deswegen sei es wichtig und notwendig, über den Tag verteilt verschiedene Phasen zu haben, in denen dann auch ganz bewusst und voneinander getrennt verschiedene Tasks – also Aufgaben und Arbeiten – erledigt werden.

Unterschiedliche Tasks

Manchmal müssen wir unabgelenkt sein und fokussiert und konzentriert arbeiten. Dann wiederum müssen wir mit jemandem kommunizieren, telefonieren oder für ein Projekt brainstormen. Zwischendrin räumen wir die Spülmaschine aus. Und wir brauchen natürlich Pausen: Musik hören, möglichst in Ruhe essen, einen Spaziergang machen. Ohne Pausen käme das Gehirn irgendwann in eine Art Overkill-Modus, erklärt Henning Beck.

"Wie wir denken, hängt davon ab, wo wir denken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Es sei auch ganz wichtig, wo wir die Pause machen oder hinspazieren. Denn wie wir denken, hänge entscheidend davon ab, wo wir denken. Wir denken in "mentalen Landkarten" und "mentalen Räumen", so Henning Beck. Das Gehirn denke so, wie die Umwelt es vorgibt. Deshalb kämen Menschen auch auf gute Ideen, wenn sie Räume wechseln.

Kreativität durch Ortswechsel

Für das Gehirn existiere kein per se kreativer Ort, sondern nur kreative Übergänge zwischen verschiedenen Orten, erklärt der Neurowissenschaftler. Außerdem gebe es den "Encoding-Effekt": Wenn Menschen vorher ein Ort definiert haben, an dem sie gut konzentriert arbeiten können – etwa ihr besonderes Plätzchen zuhause – dann können sie das dort auch.