Unserem Reporter Benjamin Weber fällt es gelegentlich schwer, konzentriert an einer Sache dran zu bleiben. Vor Kurzem hat er bei einen Strickkurs mitgemacht. Dabei hat er bemerkt, dass Stricken etwas Meditatives hat, seinen Stress reduziert und ihm dabei hilft, sich zu konzentrieren.

Die Stricknadel von vorne nach hinten durch die Masche durchstecken, hinten den Faden aufnehmen, dann den Faden nach vorne ziehen und die Masche von der linken auf die rechte Stricknadel gleiten lassen. Und das jetzt wiederholen – ein paar hundert Mal. Strickanfänger wie unser Reporter Benjamin Weber kennen das: Am Anfang fühlt sich die Bewegung noch ungewohnt an und wir bewegen Finger, Handgelenke und Arme noch etwas ungelenk.

"Immerhin: Vier Reihen altrosa Maschen habe ich mittlerweile schon hinbekommen, unterschiedlich groß und unterschiedlich dicht gestrickt, aber hey!"
Benjamin Weber, Deutschlandfunk-Nova-Reporter und Strickanfänger

Je länger Benjamin dranbleibt, desto leichter fällt es ihm, Masche für Masche und Reihe für Reihe zu stricken. Es wird immer einfacher, irgendwann läuft die Bewegung fast automatisch ab. Dass er immer besser wird, sieht er auch direkt, weil er das Ergebnis seiner Anstrengungen in den Händen hält. Dass er so schnell ein handfestes Resultat vor sich auf dem Tisch liegen hat, freut den Strickanfänger.

Stricken ist eine meditative Beschäftigung und kann ausgleichend wirkend

Je leichter es Benjamin fällt, die Maschen zu stricken, desto mehr kommt er in einen Flow. Die Augen sind auf die Stricknadeln fokussiert, Gedanken treten in den Hintergrund.

Das Hirn kann abschalten, ähnlich wie bei einer Meditation

In unserer Gesellschaft zählen Depression und Burn-out zu den wichtigsten Krankheiten, sagt Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule Köln. Meditation, so der Neurowissenschaftler, kann uns dabei helfen, uns bewusst rauszunehmen, uns Zeit für uns selbst zu verschaffen und uns von unserer Umgebung abzugrenzen: "Das ist unheimlich wichtig!" Wenn wir Stricken als meditativ empfinden, kann es genau das leisten.

"Für uns Menschen geht es im Endeffekt darum, die Balance zu finden."
Stefan Schneider, Neurowissenschaftler

Dieses Abschalten und Versinken in Bewegung oder Tätigkeiten - wie eben Stricken - nennen wir umgangssprachlich Flow. Neurowissenschaftler wie Stefan Schneider sprechen von einer transienten Hypofrontalität. Das bedeutet vereinfacht: Die Forschenden gehen davon aus, dass insbesondere die kognitiven Areale unseres Hirns weniger aktiv sind, wenn wir automatisiert Bewegung ausführen. Dann ist vor allem der motorische Kortex aktiv, der unter anderem planen und organisieren muss, was unsere Hände tun.