Karma straft böse Taten ab! Carolin Müller ist Psychologin und buddhistische Therapeutin und erklärt, warum das so nicht stimmt und viele von uns Karma bislang total missverstanden haben.

Wenn ich einer Freundin beim Umzug helfe, dann sammle ich Karma-Punkte. So oder so ähnlich denken einige von uns über dieses Konzept. Wir stellen uns dabei häufig ein Konto vor. Vollbringen wir eine gute Tat, dann rutscht es ins Plus, machen wir etwas Schlechtes, dann werden uns zur Strafe Punkte abgezogen. Carolin Müller erklärt, warum wir etwas "total missverstanden" haben, wenn wir so denken und verrät, was Karma wirklich ist.

Drei Missverständnisse über Karma

1. Karma ist ein Belohnungs- und Bestrafungssystem

Diese Vorstellung komme aus unserer christlichen Sichtweise auf die Dinge, sagt Carolin Müller. In unserer Kultur entscheide am Ende unseres Lebens ein Gott darüber, ob wir im Himmel oder in der Hölle landen würden. "Dieses Konzept haben wir einfach ein bisschen auf Karma angewendet und gesagt, dass es gutes und schlechtes Karma gibt," so die Psychologin.

Dabei würde Karma lediglich die Tatsache beschreiben, dass auf eine Aktion eine Reaktion folge. Im Buddhismus und im Hinduismus bezeichne Karma so etwas wie Tat oder Wirken, so die Psychologin weiter. "Karma bedeutet einfach nur, dass ich auf dieses ganze System, auf das Zusammenleben in der Welt einen Effekt habe," sagt Carolin Müller.

2. Karma hat immer eine einzige Ursache

Die Expertin beschreibt Karma als einen "Welleneffekt" und eine Folge unserer Ganzheit. Karma beschränke sich demnach nicht nur auf unser Handeln, sondern sei vielmehr ein Resultat unseres Denkens, unserer Emotionen, unserer Absichten und auch unserer Handlungen.

"In jeder Situation, in der wir agieren selbst, wenn wir schlafen, produzieren wir mit unseren Gedanken, Absichten und Handlungen neues Karma."
Psychologin Carolin Müller über Karma als "Welleneffekt"

Wie wir mit einer Situation umgehen würden, beeinflusse somit stets unser zukünftiges Karma. Deshalb sieht die buddhistische Therapeutin in "Karma auch immer die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln."

3. Karma ist etwas Negatives

Eine schwere Krankheit, der Verlust des Jobs oder die Partnerin, die einen Hals über Kopf verlassen hat: Gerade im Bezug auf Schicksalsschläge sei das Prinzip des Karmas "unglaublich schwer zu verstehen," sagt Carolin Müller. In solchen Fällen rät sie Karma mehr als eine persönliche Sicht auf die Welt zu verstehen, "und trotzdem zu schauen, was kann ich jetzt machen, damit es in Zukunft besser wird?".

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