"Pokémon Go" ist sehr bekannt, die religiöse Variante "Follow JC Go" nicht so sehr. Mit solchen Computerspielen wollen Religionsgemeinschaften und Kirchen eine junge Zielgruppe erreichen. Unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher wollte wissen, ob das funktioniert. Unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher hat sich alle religiösen Videospiele angeschaut, die er finden konnte.

Videospiele mit religiösen Inhalten sind nichts Neues, es gibt sie schon seit den Neunzigern. Trotzdem sind die meisten Spiele nicht so gut, sagt Thomas. Ein älteres Spiel als "Follow JC Go" heißt zum Beispiel "Noah’s Ark". In dem Spiel wird niemand getötet, ein Spieler rennt aber als Noah mit einer Steinschleuder durch die Arche und schließt damit Futter auf Tiere. Wenn die dann genug Futter haben, schlafen sie ein. 

"Follow JC Go" ist ein Abklatsch von "Pokémon Go"

Wer selbst Videospiele zockt, merkt vielleicht: "Noah's Arc" hört sich an wie "Doom". Genauso ist "Follow JC Go" einfach die christliche Variante von "Pokémon Go" – herausgebracht von einer amerikanischen Vereinigung, die mit dem Spiel das Evangelium verbreiten will.

Macher von solchen Spielen nehmen ein Spielkonzept und tauschen einfach die säkularen Inhalte mit religiösen aus, sagt Oliver Steffen. Er ist Religionswissenschaftler an der Uni Bern und forscht zu Religionen in Computerspielen. Das Ergebnis sei oft unfreiwillig komisch. 

"Man nimmt ein bestimmtes Spielkonzept und verändert einfach die Inhalte, also tauscht die säkularen Inhalte mit christlichen aus. Und das ergibt dann häufig ein merkwürdiges Resultat, dass oft unfreiwillig komisch ist."
Oliver Steffen, Religionswissenschaftler an der Uni Bern

Computerspiele taugen nicht zum Missionieren

Die religiösen Computerspiele eignen sich aber nur bedingt zum Missionieren. Grundsätzlich gilt das, was auch im Fall von "Gewalt in Computerspielen" gilt, sagt Oliver Steffen: "Niemand wird zu einem Amokläufer, nur weil er ein gewaltverherrlichendes Spiel spielt, so wird niemand zu einem gläubigen Christen, weil er ein christliches Spiel spielt." Außerdem müssten die Spiele dann zumindest gut gemacht sein, damit sich Gamer für sie interessieren.

"Echte Religionen werden eher selten direkt in Computerspielen umgesetzt. Das trauen sich viele Entwickler nicht."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Es gibt selten säkulare Computerspiele, die echte Religionen einbauen – wenn das so ist, kommen diese Religionen oft schlecht weg. Wie zum Beispiel bei "Anno 1404", einem Strategie- und Aufbauspiel. Da gibt es einen machtgierigen Kardinal, einen Kriegstreiber – er stellt die Kirche also in kein gutes Licht. Oder "The Binding of Isaac": Da spielen wir einen kleinen Jungen, der von seiner Mutter geopfert werden soll. Das ganze Spiel ist voll mit religiösen und antichristlichen Symbolen – so sehr, dass Blasphemie-Vorwürfe gegen den Entwickler erhoben wurden. In der Praxis greifen daher viele Spieleentwickler auf Fantasie-Religionen in ihren Games zurück. 

Katholische Kirche sieht Computerspiele als Chance

Die katholische Kirche in Deutschland zeigt sich beim Thema Computerspiele entspannt – und findet besonders die nicht-religiösen Games interessant. Denn gerade, wenn es um ausgedachte und eben nicht echte Religionen in erfolgreichen Games geht, seien diese meist sehr positiv besetzt, sagt Sonja Pohl. Sie arbeitetet für die Deutsche Bischofskonferenz und kümmert sich als Referentin auch um Computerspiele.

"Man nehme "World of Warcraft". Da ist der Priester in den meisten Fällen der Heiler, also ein unterstützender, heilender, helfender Charakter."
Sonja Pohl, Referentin bei der Deutschen Bischofskonferenz

Bei "World of Warcraft", einem sehr bekannten Computerspiel, bei dem wir in einer fremden Welt in verschiedene Rollen schlüpfen können, ist der Priester zum Beispiel in der Regel ein Heiler. Das sei ein sehr positiv besetztes Bild, das man sich für echte Priester auch wünscht, sagt Sonja Pohl. Daher möchte sie solche Spiele gerne in der Jugendarbeit einsetzen.

"Die Spieler machen ganz viele Erfahrungen mit dem Sterben, die machen moralische Entscheidungen. Da wäre es eigentlich für die Kirche eine Riesenchance da anzusetzen: Wir gucken, war ihr da im Spiel erlebt und sprechen darüber."
Sonja Pohl, Referentin bei der Deutschen Bischofskonferenz

Für die Jugendarbeit sei es daher nicht wichtig, ob es sich um eine Fantasie-Religion handele oder nicht: Denn wichtig sei, dass es um religiöse Themen gehe, an die angeknüpft werden kann, zum Beispiel in Sachen Moral oder Sterben, sagt Sonja Pohl. Genau da könnte die Kirche dann ansetzen und sagen: Lasst uns drüber sprechen. Egal, ob das der böse Kardinal aus "Anno 1404" oder die Zwergen-Priesterin aus "World of Warcraft" ist – ein "Follow JC Go" brauche es dann nicht.

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