Spezialkräfte der Polizei haben in Köln einen 29-Jährigen festgenommen und eine Wohnung durchsucht. Laut Medienberichten sollen sie dabei die giftige Substanz Rizin gefunden haben. Der Kriminalbiologe Mark Benecke erklärt uns, was das ist.

Rizin wird aus Rizinusöl gewonnen. Der Unterschied, warum Rizinusöl ungiftig ist: weil es erhitzt wird, die Giftstoffe werden so deaktiviert. Würde man das nicht machen, ließe sich auch aus dem Öl das Gift Rizin gewinnen.

Amelie Fröhlich, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten
"Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat. Das klingt jetzt dramatisch, heißt aber noch nicht unbedingt was. Bisher haben die Ermittler keinen konkreten Verdacht, was der Mann geplant haben könnte."

Kleinste Mengen reichen aus, um Menschen damit zu töten, erklärt der Forensiker Mark Benecke. Zum Beispiel gibt es einen Fall aus dem Jahr 1978, bei dem ein bulgarischer Geheimagent einen regimekritischen, bulgarischen Schriftsteller tötete. Auf der Spitze eines Regenschirms war lediglich ein kleines Kügelchen mit Rizin befestigt. Der Agent stach dem Schriftsteller dann mit der Spitze ins Bein und injizierte ihm auf diese Weise eine sehr geringe Menge des Giftes. Vier Tage später starb der Schriftsteller im Koma.

"Der Schriftsteller wurde am 7. September mit dieser sehr geringen Menge vergiftet und ist dann am 11. September im Koma gestorben."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Das Gift kann injiziert oder geschluckt werden. Für Kinder ist zum Beispiel schon ein halber Samen – aus dem das Öl gewonnen wird – gefährlich. Besonders schnell wirkt Rizin, wenn es direkt in den Blutkreislauf kommt.

Symptome: Husten, Brechdurchfall und der Blutdruck spielt verrückt

Rizin ist offiziell als chemischer Kampfstoff deklariert. In einem Experiment haben Wissenschaftler mal berechnet, wie viel Rizin nötig wäre, um das gesamte Trinkwasser in Berlin zu vergiften. Das Ergebnis: Mit 300 Kilogramm könnte man sehr vielen Menschen im Raum Berlin ernsthafte gesundheitliche Probleme zufügen – oder sie sogar töten. 

Brechdurchfall, Husten, Fieber, der Blutdruck spielt verrückt – das sind die Symptome, die eine Vergiftung mit Rizin hervorruft. Das Problem: Ärzte können wenig tun, denn es gibt kein Gegenmittel.

Drei Menschen sind immun

Weltweit sind drei Menschen bekannt, die immun gegen das Gift sind. Der Grund dafür ist eine sehr seltene Krankheit, ein Gendefekt, bei dem die Betroffenen keine Fucose produzieren können – ein Zucker, der für diverse Prozesse im Körper wichtig ist. Der Gendefekt bedeutet für die Menschen, dass sie mit wirklich großen Einschränkungen leben müssen. Das bedeutet jedoch auch, dass man die Erkenntnis nicht so einfach nutzen kann - um zum Beispiel ein Gegenmittel für Rizinvergiftung zu entwickeln.

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