In Hollywood ist Award Season. Letzte Woche die Golden Globes, in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar dann die Oscars. In dem Zusammenhang wird gerade die Frage diskutiert: Sollten heterosexuelle Menschen auch die Rollen von homosexuellen Menschen spielen? Die Meinungen dazu sind kontrovers.

Unter anderem hat der Schauspielers Darren Criss (Foto oben) die Diskussion ins Rollen gebracht. In der Fernsehserie "American Crime Story" spielt er den homosexuellen Mörder von Gianni Versace – und hat für die Rolle unter anderem einen Golden Globe und einen Emmy abgesahnt. Darren Criss selbst ist heterosexuell. 

Nach der Emmy-Verleihung im September 2018 hatte er dann gesagt, er wolle keine homosexuellen Charaktere mehr spielen. Begründung: Er möchte nicht noch ein heterosexueller Typ sein, der homosexuellen Männern die Rollen wegnimmt.

"Darren Criss sagt, er möchte homosexuellen Männern nicht die Rollen wegnehmen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Auch bei Rami Malek wurde diese These diskutiert. In "Bohemian Rhapsody", einem der Oscar-Favoriten, spielt Malek als Hetero-Mann den homosexuellen Freddy Mercury.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Es geht um Diskriminierung

Der Gedanke, den manche vielleicht haben, dass man als heterosexuelle Person eine homosexuelle nicht so gut spielen kann, spielt dabei nur in Nuancen eine Rolle, sagt Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova. Es geht mehr um die Diskriminierung von Menschen der LGBTQ-Gemeinschaft. Bereits vor zehn Jahren hat der Schauspieler Rupert Everett (er spielt zum Beispiel Oscar Wilde in "The Happy Prince") in einem Interview mit dem Guardian gesagt, aus Karrieregründen würde er Schauspielerinnen und Schauspielern vom Coming-out abraten.

Diversere Rollen für Heteros?

Als heterosexuelle Person werde man für viel diversere Rollen gebucht als queere Personen, heißt es immer mal wieder. Der Regisseur Andrew Haigh hat im Gespräch mit dem Guardian gesagt, ein heterosexueller Mann in der Rolle eines Homosexuellen werde zum Beispiel gern mal für seine tolle Leistung und seinen Mut gelobt – umgekehrt sei das aber nicht so. 

Wenn ein Schwuler aber einen Schwulen spiele, werde das nicht nur nicht gelobt, sondern häufig auch noch angenommen, dass er die Rolle nicht wegen seiner schauspielerischen Leistung bekommen hat.

Geld scheffeln mit LGBTQ-Stories 

Peppermint, die erste transsexuelle Frau, die in einem Broadway-Musical eine Hauptrolle spielt ("Head Over Heels"), hat im Gespräch mit Vice gesagt, Hollywood habe eine unschöne Historie darin, mit Storys aus der LGBTQ-Community Geld zu scheffeln: Die Storys würden zwar gerne erzählt und daraus Profit gezogen – die Menschen aus der Community selbst würden aber eben gern mal außen vorgelassen.

Dass das nicht ganz falsch sein kann, sehe man auch an den Preisverleihungen, sagt Anke van de Weyer.

"Seit 2000 sind 25 Schauspielerinnen und Schauspieler in LGBTQ-Rollen für einen Oscar nominiert worden. Keine einzige Person davon war queer."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Andererseits gibt es natürlich auch Menschen, die sagen, es sollte einzig und allein auf die schauspielerische Leistung ankommen und nicht auf die Sexualität. In einer Welt ohne Diskriminierung wäre das natürlich der Fall, sagt Anke van de Weyer. Solange es aber Diskriminierung gibt, wird darüber auch noch weiter gestritten werden.

Mehr zum Thema: