Es ist sonnig, es ist heiß, es ist Sommer. Klar verbringen wir so viel Zeit wie möglich im Freien. Wenn mehr Menschen gleichzeitig draußen sind, können auch mehr Menschen potenziell aneinandergeraten. Fluchende Autofahrer, schimpfende Bauarbeiter oder einfach der Nachbar, der so richtig laut wird und sich aufregt: Ist es nur ein Gefühl oder macht Hitze tatsächlich aggressiv? Eine Antwort hat Hanns-Christian Gunga, Professor am Institut für Physiologie an der Berliner Charité.

Hormone sind entscheidend für unsere Befindlichkeiten

Gunga arbeitet am Zentrum für Weltraumforschung, er kennt sich aus mit Menschen in Extremsituationen und Hitzebelastung. Und er sagt: "Ja, in der Tat", Hitze mache uns aggressiv.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen bei Hitze das Hormon Vasopressin ausschütten. "Und man weiß, dass dieses Hormon deutlich die Aggression von Personen erhöht", sagt Gunga. Vasopressin dient dazu, Flüssigkeit im Körper zu halten, "es ist kein Wunder, dass wir unter diesen sehr warmen Bedingungen, wenn wir viel Flüssigkeit verlieren – wo dieses Hormon sehr aktiv ist – durchaus eine erhöhte Aggressionsschwelle haben."

Die Wohlfühltemperatur für durchschnittliche Mitteleuropäer liegt bei 22 bis 25 Grad

Der Mediziner Hanns-Christian Gunga sagt, dass wir uns am wohlsten fühlen, wenn die Temperaturen bei etwa 22 bis 25 Grad Celsius liegen. Temperaturen von 30 Grad oder höher seien für uns Mitteleuropäer zu hoch.

Hohe Außentemperaturen können auch zu einer erhöhten Körpertemperatur führen. Die Normaltemperatur bei einem gesunden Menschen – jetzt geht es um die Temperatur im Körperkern – liegt bei 36 Grad. Schon eine um ein Grad erhöhte Körpertemperatur könne zu messbaren eingeschränkten kognitiven Funktionen unseres Gehirns führen, erklärt Gunga.

"Bei 38 oder 39 Grad machen Sie deutlich mehr Fehler. Und mit diesen Fehlern erhöht sich auch die Aggression, weil der Mensch nicht gerne Fehler macht."
Hanns-Christian Gunga, Mediziner an der Charité Berlin.

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