Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller werden nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert. Wut könnte die Reaktion darauf sein. Profisportler nutzen solche Enttäuschungen allerdings oft, um noch bessere Leistungen abzurufen.

Ein verlorenes Match, auf der Ersatzbank sitzen zu müssen oder nicht für die Nationalmannschaft nominiert zu werden - ein Profisportler erlebt häufig Situationen, die ihn frustrieren, enttäuschen oder wütend machen. Mithilfe des Trainers oder eines Sportpsychologen lernen sie auch die notwendigen Strategien, um diese Gefühle entweder schnell zu überwinden oder gar etwas Positives aus einer Niederlage zu ziehen. 

"Wir brauchen eine bestimmte Aktivierung, eine bestimmte Emotionsregulation, die optimal für eine bestimmte Situation ist."
Markus Raab, Sportpsychologe von der Deutschen Sporthochschule Köln

Beispielsweise kann ein Rückstand bei einem wichtigen Match einen Sportler frustrieren. Hat er seine Gefühle nicht unter Kontrolle, kann es passieren, dass er mehr foult und eine Rote Karte kassiert. Wenn ein Spieler weniger auf dem Platz steht, ist das meist für die gesamte Mannschaft schlecht. Ein gewisses Level an Aufregung oder Aktivierung, wie es der Sportpsychologe Markus Raab von der Sporthochschule Köln nennt, ist aber meist hilfreich, um noch bessere Leistungen abzurufen. Wut kann also helfen, es ist nur wichtig, dass der Spieler sie kanalisiert und dadurch in der Lage ist, schneller zu laufen oder den Ball genauer zu passen. 

Optimales Wut-Level für bessere Leistung

Profisportler trainieren bestimmte Strategien, um bei einem wichtigen Match nicht die Niederlage vom letzten Spiel im Kopf zu haben, oder um diese Enttäuschung zu nutzen, um noch besser zu spielen. Eine mögliche Strategie ist das Reframing, das bedeutet beispielsweise, eine als negativ empfunden Situation positiv umzudeuten. Um eine gute Leistung abrufen zu können, ist sogar ein gewisses Level an Aufregung oder Wut nützlich, sagt der Sportpsychologe Markus Raab. In der Sportwissenschaft gibt es das Modell der "Individualized zone of optimal performance". Das besagt, dass jeder ein bestimmtes Maß an Aufregung oder Aktivierung braucht, um die optimale Leistung abzurufen. Das notwendige Erregungslevel kann bei verschiedenen Personen sehr unterschiedlich ausfallen.  

Auf andere Lebensbereiche übertragbar

Weil Profisportler neben Siegen auch viele sportliche Niederlagen und Verletzungen hinnehmen müssen und von Sportpsychologen gecoacht werden, lernen sie damit umzugehen. Aus diesem Grund gelingt es ihnen, diese Bewältigungsstrategien auch auf andere Jobs oder Lebensbereiche zu übertragen, sagt Markus Raab von der Deutschen Sporthochschule Köln.

"Wenn diese Wut aber kanalisiert wird, dass sie energetisch mehr Kraft, mehr Selbstregulation erzeugt, dann kann sich das positiv auswirken."
Markus Raab, Sportpsychologe von der Deutschen Sporthochschule Köln

Der Sportpsychologe sagt, dass Profisportler wie Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng möglicherweise wütend darüber sind, dass sie nicht für die Nationalmannschaft nominiert werden, aber dass es ihrer Leistung in der Bundesliga oder beim nächsten Champions-League-Spiel nicht schaden wird. Im Gegenteil, diese Erfahrung kann zu einer Trotzreaktion führen, die die Fußballer antreibt, noch bessere Leistungen zu bringen. 

Bei Menschen, die bestimmte Bewältigungsstrategien nicht kennen oder ihre Wut oder ihren Frust nicht unter Kontrolle haben, können Niederlagen dazu führen, dass sich ihre Leistung verschlechtert. In diesem Fall können aber auch wir genauso wie Profisportler trainieren, mit Enttäuschungen besser umzugehen und diese positiv für uns zu nutzen.“

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