Über 4000 neue Infektionen mit dem Coronavirus hat das Robert-Koch-Institut heute gemeldet. Einschränkungen wie im Frühjahr sind laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht geplant - solange die AHA-Regeln vernünftig eingehalten werden.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat sich bei der Pressekonferenz in Berlin am 8. Oktober beunruhigt gezeigt: "Wir wissen nicht wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird. Es ist möglich, dass wir mehr als 10.000 Fälle pro Tag sehen. Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet."

Jens Spahn hat trotz der beunruhigenden Infektionsdynamik eher gelassen gewirkt, berichtet Volker Finthammer aus dem Dlf-Haupstadtstudio. Für den Bundesgesundheitsminister sei Deutschland im europäischen Vergleich immer noch ein Fels in der Brandung. Die obersten Regeln für die kommenden Wochen seien deshalb weiterhin: Abstand halten, Hygienevorschriften einhalten und Alltagsmasken tragen.

Feiern als Auslöser der Zahlen

Warum Jens Spahn vor allem auf die AHA-Regeln pocht, liegt an den Ursachen für die steigenden Infektionszahlen. Laut RKI und Minister sind diese hauptsächlich auf private und öffentliche Feiern zurückzuführen. Volker Finthammer nennt als Beispiele Partys in Berlin oder München. Deshalb sei es sinnvoll, konkret vor Ort mit Sperrzeiten oder Alkoholverboten gegen die Coronainfektionen vorzugehen.

"Die steigenden Infektionszahlen der letzten Wochen konnten allesamt auf private und öffentliche Feiern zurückgeführt werden. Deshalb sei es schon richtig, vor Ort jeweils ganz konsequent vorzugehen."
Volker Finthammer, Dlf-Hauptstadtstudio

In öffentlichen Verkehrsmitteln, in Friseur- oder anderen Geschäften, wo die Regeln weitestgehend umgesetzt werden, gibt es dagegen kaum Ausbrüche, so der Minister. Deshalb sieht er auch keinen Anlass zu einem Shutdown wie im April dieses Jahres, weil heute auch einfach mehr bekannt sei über das Virus und den Infektionsverlauf.

Eine Botschaft der Pressekonferenz ist deshalb: Wenn sich die Bürger alle vernünftig verhalten, könnte es ohne neue tiefgreifende Einschränkungen des Alltags funktionieren. Wenn nicht, sei ein Shutdown allerdings auch nicht ausgeschlossen, bereichtet Volker Finthammer.

"Es hängt tatsächlich viel vom Verhalten der Bürger ab, auf das die Politik am Ende nur einen geringen Einfluss hat."
Volker Finthammer, Dlf-Hauptstadtstudio

Bislang scheint das größte Problem immer noch zu sein, dass Infizierte, die noch keine Symptome zeigen, unwissentlich Mitmenschen anstecken können.

Herbststrategie: Lüften und Abstand halten

Weil diese Ansteckungsgefahr durch Infizierte, die es selbst noch nicht einmal wissen, groß ist, sollen die vorhandenen Infektionsschutzkonzepte zum Beispiel in Betrieben auch weiterhin verfolgt werden. Lüften und Abstandhalten seien immer noch die wichtigsten Komponenten.

In Bezug auf das Lüften verweist Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin, darauf, dass es beim Lüften hauptsächlich darum gehe, die Virenkonzentration in der Luft so gering wie möglich zu halten. Dies würde beispielsweise mit heftigem Stoßlüften funktionieren. Die Luftreinigungsanlagen seien laut Martin Kriegel keine Garantie dafür, dass die Virenkonzentration in den Räumen niedrig gehalten werde.

Noch sind genug Intensivbetten frei

Mit Hinblick auf die vorhandenen Intensivbetten seien laut Lothar Wieler im Moment 470 Betten belegt, die Zahlen hätten sich in den letzten Wochen allerdings verdoppelt. Grundsätzlich gebe es laut Andreas Gassen, dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Deutschland, noch 8500 freie Intensivbetten, weitere 12.000 könnten im Notfall mobilisiert werden. Das sei mehr als man in anderen Ländern wie Italien oder Frankreich.

Allerdings dürfe man eines nicht vergessen: Bei entsprechender Dynamik in Alten- oder Pflegeheimen könnten die Betten schneller belegt sein, als uns allen lieb sei, sagt Volker Finthammer.