Die Firma Stihl ist eigentlich für ihre Motorgeräte bekannt. In München hat sie aber jetzt einen Merchandiseshop eröffnet. Damit hofft das Unternehmen, über die Vermarktung des Lifestyle-Feelings, neue Kunden zu gewinnen.

Natürlich kommen auch Frauen in den Merchandiseladen, den die Firma Stihl in München eröffnet hat. Die meisten Kunden sind aber Männer. Wie Miguel zum Beispiel. Er kommt mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm in den Laden und stöbert ein bisschen. Schnell hat er eine Spielzeugkettensäge in der Hand. 

Die batteriebetriebene kleine Ausgabe einer großen Kettensäge macht sogar Sound. Das perfekte Geschenk für seinen Neffen, sagt Miguel. Für seine Tochter will er einen Stihl-Schlüsselanhänger kaufen. Verkäufer Steffen Sämann sagt, der Schlüsselanhänger gehöre auch zu den Verkaufsschlagern.

"Neben den Schlüsselanhängern verkauft sich auch die Backform in Form einer Kettensäge sehr gut. Ansonsten sind die Cappies sehr beliebt."
Steffen Sämann, Verkäufer im Merchandiseshop von Stihl in München

Steffen Sämann fällt auf, dass viele Passanten verwundert vor dem Schaufenster stehen bleiben, und erst einmal neugierig gucken – die meisten sind tatsächlich Männer. Manche machen Fotos, die sie dann verschicken, einige kommen rein.

Schaufenster des Stihl-Fanshops.
© Stihlcity Archiv
Schaufenster des Stihl-Fanshops in München

Mit dem Konzept, einen Fanshop mit Werbeartikeln zu eröffnen, ist die Firma Stihl nicht allein. In den vergangenen Jahren haben mehrere Handwerks- und Outdoor-Firmen den Lifestyle-Sektor für sich entdeckt. Hersteller von Arbeitskleidung wie Engelbert Strauss und Makita verkaufen neben Bauarbeiter-Schutzklamotten auch Sneaker und Kapuzenpullis, Caterpillar designt schicke Mützen – und Stihl hat für die ganze Familie etwas im Sortiment: vom Babyschnuller bis zur Backform.

Merchandise soll neue Kunden und Umsatz bringen

Geschäftsführer Enrico Kapinos möchte herausfinden, welche Merchandiseprodukte sich verkaufen lassen. Natürlich gehe es dabei auch um Kundenbindung und Umsatz. Bekannt sei die Marke ja schon, sagt er.

"Idealerweise kauft einer, der schon eine Motorsäge hat noch eine Cappie und umgekehrt – einer der eine Cappie hat, kauft vielleicht noch einen Rasenmäher."
Enrico Kapinos, Geschäftsführer des Stihl-Fanshops in München

Um nicht ausschließlich ein "Männerladen" zu sein, richtet sich das Sortiment auch gezielt an Frauen, sagt Geschäftsführer Enrico Kapinos. Es gebe beispielsweise Laufshirts und Kappen für Frauen. Auf den T-Shirts stehen dann Sprüche wie "Kiss My Axe" oder "No Chain, No Game". Kundin Christine ist zwar interessiert, kauft am Ende aber nichts. 

"Es ist schon stylish irgendwie. Aber für mich nein, meinem Mann könnte das gefallen."
Christine, Kundin im Stihl-Fanshopladen

Lifestyle-Feeling für Männer ab 40

Hendrik hingegen steht schon an der Kasse. Er hat sich ein T-Shirt und eine Mütze von Stihl ausgesucht. Hendrik ist Anfang vierzig und damit der typische Kunde – einer, der die Marke kennt und auch schon verwendet hat.

"Das Ganze hier hat einen Wiedererkennungswert. Stihl, Orange, das fällt ins Auge."
Hendrik, Kunde im Stihl-Fanshopladen

Der Laden kommt in München jedenfalls extrem gut an. Über Geschäftszahlen redet man hier noch nicht - das Weihnachtsgeschäft sei aber gut gewesen. Zielgruppe sind Städter, die sich nach Natur und Selbermachen sehnen. Dieses Lifestyle-Feeling wird hier verkauft. Was hingegen in der Auslage fehlt, ist der dramatisch-sexistische Stihl-Kalender.  

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