Jeder siebte Student in Deutschland kommt aus dem Ausland. Viele schätzen die guten Jobaussichten und das liberale System. Aber auch Geld spielt eine Rolle. Zwei Studentinnen aus Indien und China erzählen von ihren Beweggründen.

Jing Jing ist 28 Jahre alt, kommt aus der Henan-Provinz in der Mitte Chinas und promoviert an der LMU München im Fach Neuere Deutsche Literatur. Ihre Mutter mochte Literatur auch sehr gerne und hat sie motiviert, nach Deutschland zu gehen, erzählt Jing Jing. Ein Stipendium der chinesischen Regierung machte es möglich und erlaubt Jing Jing auch noch zwei weitere Jahre hier zu bleiben. Und danach? Sie sagt, sie würde gerne zurück nach China und dort an einer Uni arbeiten.

"Ich glaube, ich möchte nach China zurück und an der Uni dort einen Lehrstuhl finden als deutsche Lehrerin."
Jing Jing, 28 Jahre, Studentin an der LMU München aus China
Jing Jing aus China ist ausländische Studentin an der LMU München.
© Deutschlandfunk Nova | Eason
Die 28 Jahre alte Studentin Jing Jing in München

Als Jing Jing vor drei Jahren nach Deutschland kam, musste sie sich etwas umstellen – gerade, was die Ansprechhaltung der Deutschen angeht, sagt sie: "Die Deutschen sind sehr direkt und drücken ihre Meinung klar aus – anders als die Chinesen." Was sie am Deutschen Bildungssystem besonders schätzt, ist die Freiheit, die Fächer wählen zu können, die sie interessieren.   

Gute Jobaussichten locken Studenten aus dem Ausland

In dem Bundesland, in dem auch Jing Jing studiert – in Bayern – kommt jeder vierte Student aus dem Ausland. Schaut man auf ganz Deutschland, ist es jeder siebte; 360.000 internationale Studenten insgesamt. Das deutsche Studentenwerk hat in einer Umfrage ermittelt, dass es vor allem die verbesserten Jobaussichten sind, die viele nach Deutschland locken. 

Das bestätigt auch Rebecca Chatterji. Die 23-Jährige kommt aus Indien und studiert Master of Science in Communications Engineering an der TU München. Sie schätzt vor allem auch die Arbeitsbedingungen in Deutschland mit festen Arbeitszeiten. 

"Man muss nicht mehr als 10 Stunden arbeiten. Es ist nicht so, dass man eines Tages zum Büro kommt und sieht, dass der Job schon weg ist."
Rebecca Chatterji, 23 jahre alt aus Indien, studiert an der TU München

Die Zahl der indischen Studentenvisa für Deutschland hat sich seit 2013 fast verdoppelt. An der TU machen Inder nach Chinesen und Österreichern die drittgrößte Gruppe aus. Die Mehrzahl studiert Informatik, Raumfahrttechnologie oder Nachrichtentechnik, wie Rebecca. Und viele wollen danach in Deutschland bleiben und arbeiten. 

Bei Rebecca war es auch naheliegend nach Deutschland zu kommen, weil ihr Vater schon hier studiert hat und sie motiviert hat, den gleichen Weg zu gehen. "Weil die Deutschen ihre Technik sehr, sehr gut kennen", habe er immer gesagt, so Rebecca.  

Für viele andere internationale Studenten ist aber auch das Geld ein wichtiger Faktor. Das bestätigt der Pressesprecher der TU München Andreas Schmidt. Im Gegenteil zu England oder den USA seien die Studiengebühren relativ niedrig.

"Ich denke, dass ein großer Teil die Studiengebühren sind. Ein hohes Ausbildungslevel und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Gegensatz zu Unis in England und Amerika."
Andreas Schmidt, Pressesprecher der TU München

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