Großbritannien ist für die deutsche Süßigkeiten-Branche der wichtigste Exportmarkt. Der EU-Austritt der Briten könnte zum echten Problem für sie werden. Die Unternehmen schaffen deshalb jetzt deutlich mehr Süßigkeiten auf die Insel als sonst.

Für viele Arbeitnehmer in deutschen Süßwarenindustrie bedeutet der Brexit große Unsicherheit. Vor allem Kekse, Fruchtgummis und Schokolade werden bei uns hergestellt und massenhaft nach Großbritannien exportiert.

"Großbritannien ist für die deutsche Süßwarenbranche der wichtigste Markt."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Fast eine Milliarde Euro Umsatz machen die deutschen Süßwaren-Unternehmen auf der Insel. Die Stimmung ist dementsprechend angespannt.

50.000 Mitarbeiter sind in der deutschen Süßigkeitenindustrie beschäftigt. Viele davon sind davon abhängig, dass der Handel mit Großbritannien gut läuft, sagt Katjes-Chef Bastian Fassin. Bis zu 3000 Arbeitsplätze könnten demnach durch den Brexit verloren gehen - in Produktion, Vertrieb und Marketing.

Die MitarbeiterInnen werden zwar nicht automatisch entlassen, sobald Großbritannien aus der EU austritt. Doch bisher kann niemand richtig planen, was die Branche ab Ende März erwartet. Die Vorbereitung auf die möglichen Szenarien ist schwer.

So viel auf die Insel schaffen, wie geht

Bisher ist das Procedere verhältnismäßig einfach: Die produzierten Kekse kommen auf LKW, überqueren per Schiff oder Bahn den Kanal und werden dort entladen. Wie das in Zukunft sein wird – also wie der Zoll abgewickelt wird und welche Formulare wie und von wem ausgefüllt werden müssen – ist noch unklar. 

In einem Punkt können sich die Firmen aber doch vorbereiten: Süßigkeiten sind nicht so schnell verderblich wie etwa Eier oder Frischfleisch, sie können gut gelagert werden. Deshalb nutzen viele Hersteller gerade Großbritanniens Noch-Mitgliedschaft in der EU und schaffen auf die Insel, was geht.

"Im Moment erhöhen wir die Lagermengen in England. Wir schaffen schon vor dem Märztermin eine Menge der Ware rüber, um dann im April, Mai über die schwierigen Zeiten zu kommen."
Bastian Fassin, Chef der Firma Katjes

Drei bis vier Monate müssen diese Warenlager abdecken, dass neue Ware gar nicht oder nur schleppend nach Großbritannien kommt. Das Problem: Wenn eine Firma plötzlich große Mengen Süßigkeiten herumliegen hat, die eigentlich erst in ein paar Monaten verkauft werden sollen, dann ist dort Geld gebunden, mit dem nicht gearbeitet werden kann.

Der süße Umsatz liegt herum 

"Das ist ein Drittel des Jahresumsatzes, der da dann irgendwo gebunden ist", sagt Uwe Lebens vom Süßwarenhandelsverband. Auch sei die Frage, ob die Nachfrage tatsächlich so stark sein wird wie geplant.

Außerdem müsse auch der teure Lagerplatz, der angemietet werden muss, in die Kalkulation mit einfließen. Der Süßwarenverband schätzt, dass die Süßigkeiten auf der Insel nach dem Brexit um 15 Prozent teurer werden könnten.

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